Stadtgeschehen

Wilde Tiere in der Stadt

Matthias Daft / Tanja Römmer-Collmann · 06.06.2020

© Sven Meurs

© Sven Meurs

Immer mehr Tiere passen sich an das Leben in der Großstadt an – insbesondere auch die Coronazeit bietet ihnen neue Nischen und Optionen.

Zwitschern und tschilpen die Vögel nicht in diesem Frühjahr und Sommer besonders laut? Der Himmel leuchtet auch noch nachmittags blau und frei von Kondensstreifen des Flugverkehrs, Eichhörnchen tummeln sich an den Baumstämmen in den Parks, nachts huscht ein Fuchs über die Straßenbahnschienen und zwei Enten sind in einen Innenhof eingezogen ... Mancher fühlt sich in der Coronazeit, was die Natur angeht, in die 70er- oder 80er-Jahre zurückversetzt. Es ist in den vergangenen Wochen merklich ruhiger in der Stadt gewesen, und umso mehr Tiere lassen sich blicken und die Natur bahnt sich auf Grünstreifen und Wegrändern ihre bunte Bahn ... Wir stellen einige der tierischen Großstadtbewohner*innen vor, die schon länger oder ganz neu ihren Platz an Verkehrsschneisen, auf Spielplätzen oder im städtischen Grün gefunden haben.

Eisvogel

Besonders im Winter treibt es diesen bunt schillernden Vogel zum Beispiel an den Schwanenspiegel oder an den Urdenbacher Altrhein. Während die Gewässer im Umland vielleicht schon zugefroren sind, ist es in der Stadt ein wenig wärmer und erlaubt so die Jagd auf Fische und Wasserinsekten. Dabei sitzt der Eisvogel geduldig , starr aufs Wasser blickend, auf einer erhöhten Position und wartet auf seine Beute. Seine funkelnd blaue Erscheinung, über Teiche und Seen flitzend, wird aber nur selten erspäht, da er sehr scheu ist und sich kaum an Menschen herantraut.

Fuchs

Dass der Fuchs ganz schön klug ist, weiß jedes Kind. Das beweist er auch dadurch, dass er – von den meisten unbemerkt – in die Stadt gezogen ist. Es leben nämlich mittlerweile bis zu fünf mal mehr Füchse pro Quadratkilometer in der Stadt als auf dem Land. Der „Schlaufuchs“ hat gelernt, dass von den Menschen hier keine Gefahr ausgeht und in Mülltonnen allerlei Leckereien zu finden sind. Er lebt gerne in Parks, auf Friedhöfen oder Baustellen und geht nachts oder in der Dämmerung auf Futtersuche.

Nutria

An diesen schwimmenden Biberratten scheiden sich die Geister: Die einen sehen eher den niedlichen Biber, die anderen die ungeliebte Ratte. Auf jeden Fall breiten sich Nutrias in städtischen Gewässern immer mal wieder zur Plage aus, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Es wird dringend empfohlen, diese schwimmenden Felltiere – ebenso wie Enten und Gänse – nicht zu füttern. Denn Brot und sonstige angebotene Nahrung verändern die Qualität der Gewässer zum Unguten und fördern die ungehemmte Ausbreitung der Tiere.

Halsbandsittich

Die Kö-Papageien, die zu Hunderten in den Platanen am Kö-Graben nächtigen und laut kreischend die Geräuschkulisse beim Kö-Shopping bestimmen, stammen ursprünglich aus Afrika und Indien. Das erste Düsseldorfer Brutpaar dieser etwa 40 Zentimeter großen, leuchtend grünen Vögel mit dem schwarzen „Halsband“ wurde vor 35 Jahren im Schlosspark Mickeln dokumentiert. Die rasant niedrigen Flüge der Halsbandsittiche im Dutzend durch die Straßen und ihre Ausscheidungen auf Autos, Bänken und Schulranzen haben schon so manchen geärgert.

Fledermaus

Sobald es im Sommer abends dunkel wird, flattern sie im letzten Licht auf und ab: Artgeschützte Fledermäuse. Immer beliebter werden abendliche Führungen, um diese ungewöhnlichen Flugakrobaten zu beobachten. Mit speziellen Geräten lassen sich ihre Ultraschalllaute für Menschen hörbar machen. In den Düsseldorfer Stadteilen wie Flingern, Düsseltal oder Bilk, aber auch im Oberbilker Volksgarten, ist vor allem die Zwergfledermaus heimisch. Daneben werden in Düsseldorf aber auch der Große Abendsegler und die Wasserfledermaus gesichtet.

Turm- und Wanderfalke

Diese Raubvögel sind natürliche Feinde der Halsbandsittiche und Tauben, daher freut man sich über ihre Ansiedlung in der Stadt. Sie lieben luftige Höhen und bauen ihr Nest zum Beispiel auf Kirchtürmen oder am Kraftwerk Lausward. An der Rochuskirche sowie an der Suitbertuskirche in Bilk gab es sogar Webcams zur Beobachtung der Nester. Die Männchen der Wanderfalken sind relativ standorttreu, während die Weibchen tatsächlich bis zu 1000 Kilometer weit „wandern“ auf der Suche nach einem neuen Partner und Quartier.

Grau- und Silberreiher

Und noch ein majestätischer Wasservogel schätzt – neben allerlei exotischen Entenarten – Düsseldorf als Winterstandort: Der Grau- und auch Silberreiher. Auf den Wiesen am Rhein sucht der Silberreiher die Nähe der Wildgänse. Diese fressen die Wiesen kurz, sodass er dort bequem schreiten und Mäuse finden kann. Aber auch am innerstädtischen Kö-Graben wird häufiger ein Graureiher gesichtet – wahrscheinlich ist auch dort das kurz geschorene Ufer für ihn ein „bequemes Pflaster“.

Tierische Buchtipps

Großstadt Wildnis: Auf Tiersafari in unseren Städten

Ein toller Sachbuch-Bildband für Erwachsene mit Tierporträts aus verschiedenen Städten. Düsseldorf ist mit dem Eisvogel vertreten.

Von Sven Meurs
Knesebeck-Verlag 2019
ISBN 978-3-95728-233-0
30 Euro

 

Die Vogelwelt von Düsseldorf und Umgebung

Umfassendes Kompendium über die Vogelwelt in unserer Stadt. Besonders interessant: Die Zahlen der jeweiligen Brutpaare.

Von Jürgen Schumann und Tobias Krause
Natur und Wissenschaft, 2. Auflage 2018
ISBN 978-3-936-61687-3
25 Euro

Tags: Lebensraum für Tiere , Tiere in der Stadt

Kategorien: Freizeit , Stadtgeschehen , Nachhaltigkeit