Stadtgeschehen

Kinder-Secondhand in Düsseldorf

Eva-Melina Gibson-Gilljohann · 16.05.2020

© Jonathan Schöps / photocase.de

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Auch und vielleicht gerade im modebewussten Düsseldorf gibt es Secondhandläden für Kindersachen, die nun wieder geöffnet sind. Gut für Familien!

Was, schon wieder zu klein? Im Frühjahr wachsen die Kinder! Bodys, Hosen und Shirts werden regelmäßig zu klein und die Sommergarderobe vom Vorjahr passt erst recht nicht mehr – und dabei sind die Sachen oft noch richtig gut. Da lohnt es sich, Stapel zu machen für den Secondhandladen, Flohmarkt oder Trödel. Denn gerade die Läden haben jetzt schon wieder geöffnet und vielleicht gelingt es ja, beim Kleidertausch das ein oder andere Schnäppchen zu machen? Libelle-Autorin Eva-Melina Gibson-Gilljohann hat die verschiedenen Möglichkeiten getestet.

Die geliebte Hose mit dem Sternprint hat mittlerweile Rekord-Hochwasser erreicht und die Bodys meiner Tochter öffnen sich beim Aufstehen mit einem unverkennbaren Plöpp-Geräusch. Erfahrene Eltern wissen, was das bedeutet: Der nächste Klamottengroßeinkauf steht bevor – und mit ihm mein zunehmend schlechtes Gewissen hinsichtlich Umwelt, Produktion und textiler Schadstoffe. Eine Menge Geld kostet eine komplette Neuausstattung noch dazu. Kinderkleidung gebraucht zu kaufen und auch zu verkaufen, liegt für mich daher nahe. Doch wo finde ich gut erhaltene Kinderkleidung und wo kann ich zu klein gewordene Kleidungsstücke verkaufen? Mit mehreren Taschen vollbrachter Entwicklungsschübe und zwei Kindern im Gepäck mache ich mich auf die Suche.   

Gut sortierte Läden
Meine erste Anlaufstelle sind die Kinder-Secondhandläden der Stadt, von denen es in Düsseldorf überraschenderweise gar nicht so besonders viele gibt. Neben den beiden „Klammotte“-Geschäften in Bilk und Derendorf und „Second Luck“ in Lörick führen die „Kinderkiste“ im japanischen Viertel in der Innenstadt sowie „Hänsel und Gretel“ in Hassels hochwertige Kinderkleidung aus zweiter Hand. Die Secondhand-Boutique „Elementarteilchen“ in Flingern hält zudem ebenfalls ein kleines Sortiment origineller Kinderkleidung bereit.

Ein großer Vorteil ist dabei allen gemein: Ich muss mich nicht erst durch -zig Größen wühlen, denn alles ist bereits schön ordentlich sortiert und ansprechend präsentiert. Spielmöglichkeiten für meine jungen Begleiter gibt es obendrauf. Und so kann ich in aller Ruhe nach neuen Teilen suchen. Ebenfalls praktisch: Meine gut erhaltenen, gewaschenen und gebügelten Kindersachen kann ich im Secondhandladen nach Terminabsprache gleich in Kommission geben. Das Prinzip ist dabei in allen Läden ähnlich: Das Geschäft kontrolliert zunächst jedes einzelne Teil nach Flecken, Löchern oder anderen Macken. Anschließend legt es einen Preis fest. Die Kleidung wird dann über einen Zeitraum von mehreren Monaten verkauft. Danach kann ich mich über einen Teil des Verkaufserlöses – meist um die 40 Prozent – freuen. Alle nicht verkauften Teile nehme ich wieder mit nach Hause.

Geübter Blick und Geduld
Mit der übrig gebliebenen Kleidung im Gepäck schlage ich an einem Wochenende – hier sprechen wir über Zeiten vor Corona – dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich bekämpfe die häusliche Langeweile und erkunde die Kinderflohmärkte der Stadt, die von Kitas, Schulen, Kirchen, Vereinen oder kommerziellen Anbietern organisiert werden. Regelmäßig getrödelt wird zum Beispiel im Haus der Jugend an der Lacombletstraße in Derendorf oder beim Kinderkram. Ein großer Pluspunkt: Hier muss ich mich nicht erst durch Berge von Antiquitäten, Billig-Elektroartikeln und Trödel wühlen. Ein guter Blick und etwas Geduld sind gefragt, doch dank handelsfreudiger Verkäufer*innen kann ich so manch ein Schnäppchen machen. Und während ich noch versuche, selbst einen Stand für den nächsten Termin zu buchen, haben meine Kinder schon neue Spielpartner gefunden – Erfolg auf ganzer Linie.

Doch will ich überhaupt unsere gesammelten Sachen quer durch die ganze Stadt kutschieren, mit dem Risiko, die gepackten Kisten später doch wieder mühsam nach Hause karren zu müssen? Hofflohmärkte bieten eine Lösung für dieses Problem, denn hier kann ich nach vorheriger Anmeldung gemütlich vor meiner Haustür einen Tisch aufbauen. Die Kinder können nebenbei spielen oder den Preis für ihre ausgedienten Stücke selbst verhandeln. Ich nehme mir fest vor, dort einmal mitzumachen. Die Termine sind aktuell ausgesetzt, aber ab Mitte August 2020 soll es mit wöchentlichen Terminen immer samstags wieder losgehen. Mehr Infos unter hofflohmaerkte.de.

Eine weitere, immer beliebter werdende Alternative für alle, die sich ungern den Bauch in die Beine stehen, sind vorsortierte Kinderflohmärkte. Das Prinzip funktioniert dabei folgendermaßen: Ich meldet mich an und zahle vorab eine Gebühr. Dann versehe ich die Kleidung mit Preisetiketten und gebe sie zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt beim Veranstalter ab. Dieser prüft die Ware und präsentiert und verkauft sie am Flohmarkttag in meinem Auftrag. Die Erlöse erhalte ich danach mitsamt der nicht verkauften Ware. Aber natürlich ist auch bei dieser Variante die Geduld bis nach der Coronazeit gefragt.

Weiterschenken
Auch auf Kindersachen spezialisierte Online-Secondhandläden, Apps, Verkaufsplattformen, Verkaufsgruppen und Kleinanzeigen – wie normalerweise in der Libelle-Rubrik „Suchen und Finden“ – bieten die Möglichkeit, den Kauf und Verkauf von Kinderkleidung von zu Hause aus zu erledigen.  Einerseits muss ich dabei zwar einiges an Zeit in Fotos, Artikelbeschreibungen, Versand oder Terminvereinbarungen stecken, andererseits kann ich in meinen vier Wänden bleiben und sobald alles eingestellt ist, verkaufen sich die Sachen über die nächsten Wochen praktisch von selbst.

Bei sentimentalen Teilen habe ich mir dagegen fest vorgenommen, sie zu verschenken und anderen eine Freude damit zu machen. Ein paar Kleidungsstücke stelle ich in Verschenkgruppen wie „Share & Care Düsseldorf“ ein. Ein paar andere wandern in die noch verbliebenen Giveboxen der Stadt, auch wenn mich der oftmals vermüllte Zustand der Verschenkboxen nachdenklich stimmt. Der Umsonstladen im Niemandsland in Oberbilk ist ebenfalls eine tolle Adresse für Schenk- und Tauschwillige. Hier kann jeder Dinge abgeben oder selbst etwas mitnehmen. Während eine Mutter aus der Nachbarschaft gerade einen lieb gewonnen Strampler meiner Kinder einpackt, stürzen sich diese auf eine Kiste voll mit kleinteiligem Plastikspielzeug, das in der Vergangenheit Chaos in ein fremdes Kinderzimmer gebracht hat. Ich lächle zufrieden – so schließt sich der Kreis.

Kinder-Secondhandläden in Düsseldorf

„Klammotte“ Aachener Straße 10, Düsseldorf-Bilk, Münsterstraße 147, Düsseldorf-Derendorf

„Second Luck“ Lörick Karée, Wickrather Str. 4, Düsseldorf-Lörick

„Kinderkiste“, Immermannstr. 36, japanisches Viertel, Düsseldorf-Stadtmitte

„Hänsel und Gretel“ Hasselsstraße 60, Düsseldorf-Hassels

„Elementarteilchen“ (Erwachsenen und Kinder) Ackerstraße 125, Düsseldorf-Flingern

KS2H Kinder Second Hand (Dengler Schuhe) Kölner Landstraße 150, Düsseldorf-Wersten

Tags: Düsseldorf , Kinder , Secondhand

Kategorien: Stadtgeschehen , Nachhaltigkeit