Stadtgeschehen

Projekt KENNE: Einzelcoaching für Alleinerziehende

Nadine Lente · 27.02.2020

© Ansgar Bolle

© Ansgar Bolle

Kinder und Beruf zu vereinbaren ist oft immernoch ein gesellschaftlicher Drahtseilakt, gerade für Alleinerziehende. Hilfe gibt’s bei der ZWD.

Kinder und Beruf zu vereinbaren ist oft immernoch ein gesellschaftlicher Drahtseilakt – für Alleinerziehende ist es besonders schwer, nach der hauptamtlichen Familienzeit wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zuweilen passen die Zeiten der Kinderbetreuung nicht zu den verlangten Arbeitszeiten, die beruflichen Qualifikationen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand und so mancher Arbeitgeber befürchtet, dass Alleinerziehende häufiger am Arbeitsplatz ausfallen. Hilfsmöglichkeiten gibt es viele, auch in Düsseldorf. Doch wie kommt man an Infos? Besonders hoch sind die Hürden, wenn man gerade erst in die Stadt gezogen ist oder aus einem anderen Land kommt.

Diese Erfahrung hat auch Marina Barabash (46) gemacht. Sie lebt seit 2011 in Deutschland, gebürtig stammt sie aus Kasachstan, studierte dort Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Buchhalterin. Wegen der Arbeit ihres Ehemannes lebte sie zehn Jahre lang in Portugal, lernte die Sprache, nahm die portugiesische Staatsangehörigkeit an und arbeitete ehrenamtlich als pädagogische Hilfskraft. Dann siedelte die Familie nach Deutschland um. Sie absolvierte Deutschkurse und arbeitete als Küchenhilfe. 2013 hat sich das Ehepaar getrennt, seitdem ist Barabash allein erziehend. „Ich wollte eine Ausbildung machen, um meine Familie alleine zu finanzieren“, sagt die Mutter zweier Söhne (9 und 13), die drei Sprachen spricht. Im Jobcenter wird ihr das geförderte Projekt „Kenne“ ans Herz gelegt. „Das war Glück.“ Hier werden alleinerziehenden Frauen und Männer individuell gecoacht. „Ziel ist die berufliche Eingliederung von Alleinerziehenden“, sagt Renate Marschang, Coach bei der Zukunftswerkstatt Düsseldorf (ZWD).

Nicht verkriechen – Hilfe annehmen!

In vielen Einzelgesprächen unterstützt sie Barabash in ihrem Wunsch, Erzieherin zu werden, hilft bei Orga der Kinderbetreuung, Pratikumssuche, Anerkennung von Abschlüssen, Behördengängen. „Das war sehr hilfreich“, sagt Barabash. „Es ist gut, mit jemand Kompetenten regelmäßig zu reden; viel besser als zuhause alleine zu sitzen und zu denken was mache ich jetzt bloß?!” Gerade als Alleinerziehende müsse man nochmehr Vorbild für seine Kinder sein. „Sie müssen sehen, dass es auch in schwierigen Situationen Lösungen und Hilfen gibt. Los geht’s!“ Wer allein erziehend ist und Leistungen des Jobcenters oder der Arbeitsagentur erhält, kann diese Hilfe in Anspruch nehmen. Das Projekt „Kenne“ gibt es seit zehn Jahren. „Einen kostenlosen Beratungstermin kann man mit uns jederzeit vereinbaren, einfach anrufen“, sagt ZWD-Coach Marschang.

Praxisintegrierter Ausbildungsplatz (PIA) gesucht

Sie ist auch nach Abschluss der Förderung oft noch in gutem Kontakt mit Teilnehmerinnen wie Marina Barabash – die übrigens nach 900 Praktikumsstunden seit einem halben Jahr an der Elly-Heuss-Knapp-Schule die Ausbildung als Erzieherin macht. Für August 2020 sucht sie jetzt innerhalb der Ausbildung eine sogenannte PIA-Praxisstelle in einer Kita. Wer eine solche zu vergeben hat, kann sich gerne bei der Libelle-Redaktion melden unter nadine.lente@-libelle-magazin.de.

Projekt Kenne für Alleinerziehende

Infos und Beratung über die Zukunftswerkstatt Düsseldorf
renate.marschang@zwd.de
Telefon 0211.38 76 96 11

www.zwd.de/

Infoflyer:
www.zwd.de/media/20161219_flyer_kenne.pdf

Tags: Projekt Kenne , Zukunftswerkstatt Düsseldorf , ZWD

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