Stadtgeschehen

Ein Raum zum Wachsen

Juliane Faller · 03.06.2019

© Dmitry Lobanov - stock.adobe.com

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Von der Idee zum Plan, vom Kaufen und Selbstgestalten: Eine Mutter erzählt, wie der Umbau eines Kinderzimmers für zwei Geschwister Form annimmt.

Ein Kinderzimmer sollte in erster Linie ein Ort sein, an dem sich unsere Kinder wohlfühlen. Die Anforderungen sind vielfältig: Es muss ebenso Platz zum Toben wie zum Schlafen bieten, über einen Rückzugsort und später auch einen Lernbereich verfügen und viel Stauraum für Spielzeug, Kleidung und Bastelutensilien bereithalten ...

Ein Samstagnachmittag in einem Einrichtungshaus im Düsseldorfer Umland, da es regnet, wäre das doch ein guter Familienausflug. Schon beim Einbiegen auf den Parkplatz wird klar, dass wir nicht die einzigen mit dieser grandiosen Idee waren. Innen ist das Getümmel dann noch größer. Eine Attraktion jagt die nächste: Vom Sektempfang übers Kinderschminken bis hin zur Schulranzen-Beratung ist so einiges geboten. Dabei wollten wir doch einfach nur Kinderzimmermöbel für unser neues Haus anschauen.

Do-It-Yourself
Ich habe schon einmal in den verschiedenen Mutti-Kreisen, in denen ich verkehre, nachgehorcht, was denn gerade bei der Kinderzimmereinrichtung im Trend liege. Demnach setzen die Eltern von Neugeborenen meist auf Klassiker und Komplett-Ausstattungen von der Wickelkommode bis zum Babybett. Aber die Kinder werden älter und das Zimmer wird individueller und stärker an den jeweiligen Charakter des Kindes angepasst. Ein großer Trend sind derzeit Do-it-Yourself-Ideen aus dem Internet. Eltern sammeln in den sozialen Netzwerken Ideen, wie sie Möbel umgestalten und individualisieren können. Viele gehen heute weg von knalligen Farben und setzen auf zarte Pastelltöne. Meine Internetrecherche ergibt dann aber: Nur Pastelltöne zu verwenden ist sowas von 2018 – in diesem Jahr kehren knallige Farben zurück ins Kinderzimmer und ergänzen die vorhandenen zarten Töne um ein paar farbenfrohe Akzente.

Unser Kinderzimmer ist derzeit (noch) ganz weit davon entfernt, durchgestylt zu sein. Da steht bisher immer die Gemütlichkeit im Vordergrund und vieles ist einfach zusammengewürfelt. Letzteres soll sich jetzt ein wenig ändern. Im Möbelhaus wollen wir uns nun vor allem über Hochbetten und Schränke informieren – aber das Angebot überfordert uns alle. Am Ende verlassen wir das Geschäft mit einer Handvoll Werbeartikeln, zwei geschminkten glücklichen Kindern, die nun am liebsten auch eine Rutsche am Bett haben wollen, und mehr Fragen als Antworten.

Individuelle Beratung
Nach den widersprüchlichen Erkenntnissen aus dem Möbelhaus stoße ich bei meiner weiteren Recherche auf Fachgeschäfte, die Einrichtungsberatungen für Kinderzimmer anbieten. Voll motiviert mache ich mich also eine Woche später auf den Weg zu einer individuellen Beratung. Gegensätzlicher zu der Möbelhauserfahrung könnte dieser Ausflug nicht sein. In dem Showroom in einem kleinen Ladenlokal herrschen Ruhe und viel Raum für Individualität. Ausgewählte Marken versprechen hier nicht nur eine hohe Qualität, sondern vor allem, dass jedes Kind das Kinderzimmer bekommen kann, welches zu seinem Charakter und den speziellen Bedürfnissen passt. Schöne Motivtapeten und Setzkästen laden zum Träumen ein. Anhand des Grundrisses des geplanten Kinderzimmers besprechen wir die ersten Ideen, und ich soll etwas über unsere Kinder und die Ansprüche erzählen, die wir an das neue Zimmer stellen. Vorhandene Möbel, die wir in das Zimmer integrieren wollen, sollte ich vorab fotografieren. Die Beraterin stimmt die weitere Planung auf diese ab.

Farbenfrohe Akzente
Ich bin beeindruckt von der Komplexität, die so ein Kinderzimmer mit sich bringen kann. Allerdings leuchten mir auch die Worte von Interior-Designerin Sabine Ulrich ein, die erklärt: „Hier in Deutschland wird das Thema Kinderzimmer schon fast stiefmütterlich behandelt. Wenn man sich mal bei unseren Nachbarn umschaut, wird klar, dass es in anderen Ländern durchaus eine andere Wertigkeit erfährt.“ Zum Thema Trends reagiert sie zurückhaltend: „Das ist halt die Frage: Ob man beim Kinderzimmer einem Trend folgen will oder lieber das wählt, was zur Familie beziehungsweise zum Kind passt.“ Sie betont aber, dass ihrer Meinung nach in ein Kinderzimmer auch Farbe gehört und diese ganz aufgeräumten Kinderzimmer, die man auf Instagram und Co. findet, doch auch etwas lebensfremd seien.

Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto klarer wird mir: Ich habe jetzt richtig Lust, ein ganz besonders kuschliges Zimmer für meine Kleinen zu gestalten und will mir auch die Zeit dafür nehmen, ein bisschen selbst kreativ zu werden. Ein weiterer Trend, der mir bei meiner Onlinerecherche auffällt, ist Holz. Es muss heute nicht immer nur weiß sein, sondern auch Naturfarben sind im Kinderzimmer willkommen. Wie praktisch für uns, haben wir doch schon zwei schöne Stücke in Buche! Beim Kauf des Hochbetts wollen wir uns nun an dieser Farblinie orientieren. Allerdings meldet sich dabei dann auch das Gewissen: Wie hoch darf das Hochbett für unseren Vierjährigen sein, ohne dass es ein Risiko für die kleine Schwester birgt? Am Ende entscheiden wir uns für eine Do-It-Yourself-Lösung: Das stabile Bett aus dem Möbelhaus in der kleinsten Höhe wird verbunden mit einem ganz niedrigen Rahmen am Boden, der mit Lattenrost und Matratze versehen die optimale Schlafmöglichkeit für unsere Zweijährige bietet. Wir kombinieren hochwertige Massivholzmöbel mit schwedischen Ordnungslösungen und setzen auf Individualität bei Vorhängen und Wandtatoos.

Gutes Gewissen
Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich dabei in unserem Kinderzimmer durch. Eine Wickelkommode, die nun ihre Schuldigkeit getan hat, konnte mit ein paar einfachen Handgriffen zur normalen Kommode umgebaut werden. Unter das Hochbett können wir nach Bedarf in einem Jahr ein normales Bett bauen und darunter Schubkästen einsetzen, um so zusätzlichen Stauraum zu schaffen. Besonders wichtig ist uns bei der Auswahl von Möbeln und Matratzen, dass sie möglichst wenige Schadstoffe enthalten. Heute gibt es auf dem Markt eine große Auswahl an Herstellern, die schadstoffarme Produkte anbieten. Ob Produkte umweltfreundlich hergestellt wurden, kann der Verbraucher zum Beispiel an dem Zeichen „Blauer Engel “erkennen, welches das Bundesumweltministerium vergibt. Aber auch, ob die Möbel unter fairen Bedingungen erzeugt werden, ist für viele Konsumenten beim Kauf heute ein wichtiges Kriterium.

Raum für zwei
Eine weitere wichtige Frage, die bei uns im Raum stand, war: Wie ermöglichen wir es den zwei Kindern, im Geschwisterzimmer auch mal ein stilles Plätzchen ganz für sich zu finden? Einfach gelingt uns dies durch die verschiedenen Bettebenen und ihre individuelle Gestaltung. Gleichzeitig setzen wir durch verschiedene Farben Akzente und schaffen so ganz klar Raum für das Spielzeug von Bruder und Schwester. Denn auch wenn das Kinderzimmer von heute nicht mehr bis in die Jugendzeit besteht, weil häufig auch Kinder schon nach Veränderungen in ihrer Einrichtung verlangen, sollte es doch zumindest für ein paar Jahre Bestand haben. Weniger entscheidend sollte dabei sein, dass das Kinderzimmer einem aktuellen Trend entspricht, als dass es ein Raum ist, in dem sich die Kleinen geborgen fühlen und mit dem sie eines Tages wundervolle Kindheitserinnerungen verbinden.

Tags: Einrichtung , Möbel , Wohnen

Kategorien: Stadtgeschehen