Stadtgeschehen

Efa-Leiter verabschiedet sich

Tanja Römmer-Collmann · 10.02.2020

© Libelle

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Nach 37 Jahren, davon 21 als Leiter, verlässt Curt Schulz die evangelische Familienbildung und geht in den Ruhestand.

Eins hat Curt Schulz sich nie nehmen lassen: „Auch als Leiter der efa war mir immer wichtig, selbst Kurse und Angebote zu geben. Dabei habe ich viel gelernt.“ In der evangelischen Familienbildung Düsseldorf, kurz efa, steht nun sein Abschied an: Ende Januar geht der stets jung und neugierig gebliebene Sozialpädagoge nach 37 Jahren, davon 21 als Leiter der efa, in den Ruhestand. Welche Entwicklungen und Erfolge sieht er als Meilensteine seiner beruflichen Zeit? „Wir wollten als efa immer Bildung für alle. Damit wir aber auch wirklich alle erreichen, war es wichtig, in die Stadtteile zu gehen und zu erkennen, dass nicht alle Menschen auf die gleiche Art und Weise lernen, dass es verschiedene Bildungskulturen anzuerkennen.“

„FuN“ und „Kiwi“

Mit dem Programm „Familie und Nachbarschaft“ (FuN) bietet die efa seit 15 Jahren niedrigschwellige Hilfs- und Lernangebote, die in Form von Spielenachmittagen oder gemeinsamen Mahlzeiten jede Familie ansprechen. Auch das vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufene Programm „Kinder willkommen“ (Kiwi) zielt in eine ähnliche Richtung und hilft jungen Müttern, ein Netzwerk aufzubauen, um den Alltag zu meistern: Ehrenamtliche Pat*innen helfen bis zu zwei Jahre lang bei der Kinderbetreuung, bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Stolz ist Schulz auch auf die noch recht neue Familienberatung der efa: „Bei uns bekommen die Hilfesuchenden in der Regel innerhalb von 24 Stunden einen ersten Termin!“ So können eine Situation entschärft und passende Beratungs- und Hilfsangebote gefunden werden, bevor die betroffenen Familie während einer sonst oft wochenlangen Wartezeit immer tiefer in ihren Problemen versinke. Neben dem 2010 neu und ansprechend modern sanierten Stammhaus an der Hohenzollernstraße betreibt die efa Filialen in Derendorf und Oberbilk. In Gerresheim ist ein weiterer Standort geplant. Über die Kooperation mit mehr als 30 Familienzentren, Schulen, Gemeinden und mehr ist die evangelische Familienbildung stadtweit flächendeckend mit ihrem Kursangebot aufgestellt. Auch in der Flüchtlingsarbeit sind die Mitarbeiter*innen aktiv. Auf einem Plakat zum 60-jährigen efa-Jubiläum, zu dem Menschen befragt worden, was die efa für sie sei, antwortet ein Sprachkursteilnehmer: „Efa ist erstes Wort!“

Familienbildung der Zukunft

Ein Traum wäre für Schulz, dass es zahlreiche echte Familienorte in der Stadt gäbe, „wo die Familie im Mittelpunkt steht.“ Räume, in denen Familien feiern, essen, spielen, sich jederzeit treffen könnten. „Wir beobachten, dass der Sonntag als Veranstaltungstag an Bedeutung zunimmt", sagt Schulz. Ein „Zwischending“ an Freizeit und Bildungsveranstaltung sei sonntags gefragt, um gemeinsam innezuhalten, über den Standpunkt der Familie zu reflektieren, aber auch unbeschwert zusammenzusein. Bezahlbare Mieten in der Stadt sind für Schulz ein weiterer wichtiger Zukunftsparameter für Familien. In Hinblick auf die pädagogische Ausbildung wünscht sich Schulz, der sich auf Landesebene auch im Ruhestand weiter für die Familienbildung engagiert, dass entsprechende Studiengänge den Umgang mit den Eltern mehr in den Blick nehmen: „Alles ist auf die Kinderpädagogik ausgerichtet, aber die Wertschätzung und Einbeziehung der Eltern ist doch genauso wichtig!“ Seit es keine feste gesellschaftliche Norm mehr gebe, was und wie genau Familien zu sein haben, seien die Eltern viel mehr gefordert, eine eigene innere Haltung zu entwickeln und diese immer wieder anzupassen, zu hinterfragen. „Familie will immer wieder neu gelernt werden“, weiß Schulz und fordert auch: „Eltern dürfen sich ruhig wieder mehr einmischen und sich ihre Rolle als Eltern zurückholen." Er selbst, der vier erwachsene Töchter und vier Enkelkinder hat, ist jedenfalls auch als Großvater bereit dazu und wird vielleicht in Zukunft mit seiner Enkeltochter in der efa zu Besuch sein – als Gast bei einer Veranstaltung oder einem Kurs.

Der oder die Nachfolger*in von Curt Schulz als Leiter der evangelischen Familienbildung stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Evangelische Familienbildung in Düsseldorf

Hohenzollernstraße 24, Düsseldorf-Stadtmitte

www.efa-duesseldorf.de/

Tags: Curt Schulz , Efa

Kategorien: Stadtgeschehen