Nachhaltigkeit

Aufgeräumt!

Andrea Vogelgesang · 31.03.2020

© dvoevnore - stock.adobe.com

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Alle reden jetzt vom Putzen und Ausmisten. Ein Interview mit Aufräumexpertin und Ordnungsberaterin Katja Bornemann.

Katja Bornemann (43) arbeitet selbstständig als Ordnungsberaterin und ist Mutter von drei Kindern. Aufräumen ist für sie also beruflich wie privat immer präsent. Sie kennt sich auf diesem Gebiet auch mit Extremen aus. So leidig Sortieren, Putzen und so weiter für viele Menschen im Alltag sein mögen, im Gespräch mit der Expertin hat man das Gefühl, dass sie das Thema begeistert.

Libelle: Sie sagen, dass Ordnung nicht nur ein Gefühl der Sicherheit, sondern auch soziale Anerkennung schaffe. Was aber, wenn das  nicht gelingt?
Katja Bornemann: Das Ordnungsempfinden ist einerseits individuell, das heißt, es gibt nicht die eine Ordnung, die für alle gleichermaßen gilt. Und doch besteht ein gesellschaftlicher Konsens. Ich habe bei meiner Arbeit und Beratung oft mit Menschen zu tun, die es gar nicht mehr schaffen, ihre Un-Ordnung in den Griff bekommen. In der Folge können sogar soziale Kontakte abbrechen, weil viele sich dann schämen. Öffentlich steht eher das Messie-Syndrom im Fokus, aber auch zwanghafter Perfektionismus kann schädlich wirken. In beiden Fällen wird der Energiefluss blockiert.

Wie lässt sich da wieder herausfinden?
Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, warum sie sich in ihren eigenen vier Wänden nicht wohlfühlen oder gar psychische Probleme wie Depressionen bekommen oder unter Erschöpfung leiden. Im Feng-Shui ist die Harmonisierung des Individuums mit seiner Umgebung von zentraler Bedeutung. Diese wird durch eine besondere Gestaltung der Wohn- und Lebensräume erreicht, wodurch sich Blockaden auflösen.

Wie lernen Kinder, Ordnung zu halten?
Manche Kinder sind von Anfang an ordentlicher als andere. Woran das liegt, weiß man nicht genau. Kinder übernehmen allerdings in der Erziehung generell viel über die Nachahmung. Wichtig ist, dass die Eltern nicht immer alles allein aufräumen, sondern dass die Kleinen mitmachen. Mit einer Struktur lässt sich der Zeitaufwand minimieren. Zum Beispiel sollten Sachen an festgelegten Orten abgelegt werden. Das hilft beim Suchen und Finden, aber auch dabei, besser Ordnung zu halten.

Wie sieht das genau im Alltag aus?
Regentage eignen sich gut, um gemeinsame Aufräumaktionen zu starten. Nicht nur die angestrebte Ordnung, sondern auch die Aufmerksamkeit, die man seinen Kindern währenddessen schenkt, ist wesentlich. Für mehr Übersicht im Kinderzimmer sind schlichte Boxen zur Aufbewahrung hilfreich. In einer werden beispielsweise Bälle verstaut, die dann von außen mit einem entsprechenden Bild oder einer Aufschrift versehen werden können, die Bauklötze in einer anderen bekommen eine entsprechende Illustration und so fort. Das macht Kindern Spaß und sie helfen gerne. Bis zum Ende der Grundschulzeit brauchen sie tatsächlich Unterstützung.

Wie lange halten kleine Kinder das denn durch?
Man sollte nicht gleich das ganze Zimmer im Visier haben, sondern vielleicht erst mal nur die Malecke. Es empfiehlt sich, eine Eieruhr aufzustellen, während Stifte und Blätter geordnet oder aussortiert werden. Zehn Minuten reichen da schon. Kindern lernen dabei, dass es auch Spaß bringen kann, und wenn sie es öfter mit ihren Eltern zusammen machen, entsteht Routine. Die ist zeitsparend und Aufräumen wird zur Gewohnheit.

Würde Minimalismus im Kinderzimmer generell helfen?
Auf jeden Fall, je mehr ich besitze, desto mehr muss ich aufräumen und saubermachen. Heutzutage füllt der Konsumrausch eben auch die Kinderzimmer. Dabei brauchen Heranwachsende vor allem auch
nicht-materielle Geschenke wie zum Beispiel Zeit und Gemeinsamkeit mit ihren Eltern. Um die Menge an Spielzeug zu begrenzen, kann man die Regel einführen: Für etwas Neues muss etwas Altes raus. Das sollte lieber nicht weggeschmissen, sondern weitergeschenkt werden. Dabei kann man Nachhaltigkeit üben und lernen, sich von Dingen zu trennen, loszulassen.

Marie Kondo ist in aller Munde, welchen ihrer Ratschläge würden Sie Familien weitergeben?
Die japanische Ordnungsberaterin rät, Gegenstände zuerst auszumustern und wegzugeben und die verbleibenden dann gut zu sortieren. Das heißt, beispielsweise alle Bücher an einem Ort aufzubewahren und nicht auf verschiedene Stellen zu verteilen. In meinen Augen ist das eine der Goldenen Ordnungsregeln.

Tags: Aufräumen , Interview , Ordnungsberaterin

Kategorien: Nachhaltigkeit