Nachhaltigkeit

Am besten grün

Petra Baten · 28.01.2018

© suze / Photocase.de

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Den Stromanbieter zu wechseln ist nicht schwer, ein Wechsel zu Ökostrom nahezu bundesweit möglich.

Ökolabels und Tarifrechner erleichtern Kunden die Suche nach der besten Ökostrom-Variante, haben aber ihre Tücken. Ein erhellender Wegweiser durchs Stromdunkel …

Ein Formular und die Sache ist geritzt. Den Stromanbieter zu wechseln ist fast so leicht wie der Wechsel des Mobilfunknetzes. Die Zeiten einer lebenslangen Treue zum lokalen Stromanbieter in guten wie in schlechten Zeiten sind vorbei. Mittlerweile ist in den Köpfen der Verbraucher angekommen, dass sie es in der Hand haben. Sie bestimmen, wo es langgeht. Sie entscheiden, wie schnell die Energiewende vollzogen wird, wie hoch die Gelder sind, die in die Förderung von Biomasse, Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft gesteckt werden. Indem sie sich gut überlegen, wem sie den Strom abkaufen und damit ihr Geld zur nachhaltigen Verwendung überlassen. „Als Verbraucher muss man sich zwei Leitfragen stellen“, erklärt Dr. Tim Loppe, Pressesprecher von Naturstrom. „Wen möchte ich mit meinem Geld unterstützen? Ist es mir egal, ob ich mit meinem Geld die Energiewende unterstütze oder ob um drei Ecken doch ein großer Energieriese profitiert?“ Denn hinter vielen Anbietern von sogenanntem Ökostrom stehen in zweiter Riege Gesellschafter in Form von Energiekonzernen, deren Energiemix sich primär aus Kohle und Atom speist. Ökostrom ist daher nicht gleich Ökostrom.

Blick aufs Etikett
Wer sichergehen will, dass sein Geld in Förderung und Ausbau der erneuerbaren Energien gesteckt wird, dem kann ein Blick auf die Öko-Labels helfen. So garantiert zum Beispiel das älteste deutsche Label Grüner Strom, „dass 100 Prozent Ökostrom erzeugt und eingekauft“ und die „Umetikettierung von Atom- und Kohlestrom in Ökostrom ausgeschlossen“ werden. Das in Düsseldorf ansässige und überregional operierende Unternehmen Naturstrom garantiert mit dem Label, „dass ein Cent pro Kilowattstunde zum Bau und zur Förderung neuer Öko-Kraftwerke eingesetzt wird“, erläutert Dr. Loppe. In ähnlicher Weise steht ok power, wohinter der gemeinnützige Verein EnergieVision steht, für hochwertigen Ökostrom, der „mit den Erlösen aus dem Ökostromtarif Projekte, die die Energiewende beschleunigen und qualitativ voranbringen“, fördert. Doch nicht alle Öko-Labels werden für die Investition in erneuerbare Energien vergeben. Daher verzichten manche Ökostromanbieter bewusst auf die Zertifizierung durch bestimmte Öko-Labels oder lehnen Prüfverfahren ab. Das Fehlen so manchen Öko-Labels ist daher kein Indiz für schlechte Qualität.

Drum prüfe …
Ein Modul zur finanziellen Orientierung beim Wechsel des Stromanbieters sind Portale zum Tarifvergleich. Denn der Markt der infrage kommenden Stromanbieter ist weitaus größer als man annehmen könnte. „Im Schnitt kann man pro Netzgebiet, das bedeutet quasi pro Postleitzahlengebiet, aus 100 Ökostromtarifen auswählen“, erklärt Dr. Loppe. „Manche Anbieter sitzen vor Ort, andere sind bundesweit aktiv.“ So viel sei aber schon gesagt: Wer bei seinem Lokalversorger noch im Standardtarif hängt, der wird staunen, da sich ein Wechsel für ihn allemal lohnt. Wer überlegt, aus der Grundversorgung zu einem Ökostromanbieter zu wechseln, merkt sogar, dass er noch Geld sparen kann. Doch bei den gängigen Tarifrechnern ist oft Vorsicht angesagt: Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Voreinstellungen gelenkt werden, damit nicht Äpfel mit Birnen und Sondertarife oder Bonus-Lockangebote mit Standardkonditionen verglichen werden. Sonst könnte das böse Erwachen kommen, sobald lockende Freikilowattstunden verbraucht sind und der Stromtarif sein wahres Antlitz zeigt.

Wechsel ist immer möglich
Aber egal ob Mietwohnung oder eigene Butze, ein Wechsel ist immer möglich und mit weniger Aufwand verbunden, als man denken mag. Wie schnell er möglich ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Kündigungsfrist für Strom, der im Standardtarif von den lokalen Stadtwerken bezogen wird, beträgt nur zwei Wochen. Bei Stromverträgen mit alternativen Anbietern oder Sondertarifen der Stadtwerke sieht es anders aus. Hier können Verträge eine Mindestlaufzeit haben, die nicht unterschritten werden darf. Im Falle einer Preiserhöhung gilt jedoch zum Verbraucherschutz ein Sonderkündigungsrecht. Für den Wechsel gilt es nur ein einziges Formular beim Wunschanbieter auszufüllen, noch dazu bequem online von der Couch aus. Alle Formalitäten rund um die Kündigung beim Ex übernimmt der neue Anbieter. Nur für den Fall, dass der Ablauf einer Frist unmittelbar bevorsteht, sollte man auf Nummer sicher gehen und die Kündigung in die eigene Hand nehmen.

 

 

Regionale Ökos

Neander Energie Das Unternehmen bietet zertifizierten Naturstrom aus der Region und CO2-neutrales Gas, für das in Klimaschutzprojekte investiert wird.

Überregionale Ökos

Naturstrom AG Das unabhängige Düsseldorfer Unternehmen liefert Ökostrom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, zum größten Teil aus deutscher Wind- und Wasserkraft.

EWS Schönau GmbH Nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl entstanden, gewinnt EWS seinen Strom aus erneuerbaren Energien und durch Kraft-Wärme-Kopplung.

Greenpeace Energy eG Das Unternehmen bezieht
seinen Strom aus deutscher und österreichischer Wasser- und Windkraft und baut den Windkraftanteil aus.

LichtBlick SE Der größte deutsche Ökostromanbieter gewinnt seinen Strom ausschließlich durch deutsche Wasserkraft und bietet seinen Kunden auch Bio-Heizgas an.

Grünwelt Energie Die Marke bietet deutschen Kunden Ökostrom und klimaneutrales Gas aus umweltfreundlichen Energiequellen und ist 2011 aus den Energieversorgern Stromio und gas.de entstanden.

Tags: Öko , Stromwechsel

Kategorien: Nachhaltigkeit