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Erstlesebücher

Juliane Faller · 16.09.2019

© MashaStarus – iStock

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In diesen Wochen lernen die i-Dötzchen das Lesen, zu Weihnachten wünschen sie sich vielleicht schon das erste Buch zum Selbstlesen.

In Zeiten von Computer, Fernseher und Hörspiel ist es vielen Lehrern und Eltern ein Anliegen, Kindern den Zugang zum Lesen zu erleichtern und so ihre Begeisterung für die Welt der Bücher zu fördern. Erstlesebücher können dabei eine große Hilfe sein, vorausgesetzt, sie sind gut ausgewählt. Wir geben Tipps, wie Kinder einen guten Einstieg in die faszinierende Welt der Bücher finden.

Das Kind wählt aus
Ob Sachbuch, Abenteuerroman oder Alltagsgeschichte – Erstlesebücher gibt es in jeder Form und sie sollten vor allem dem Interesse der Kinder entsprechen. Christine Kranz, Referentin für Leseförderung bei der Stiftung Lesen, betont: „Das Beste ist nach meiner Erfahrung, die Kinder in die Buchauswahl einzubeziehen. Die Bücher sollen den Kindern gefallen – nicht den Erwachsenen!“ Trotzdem sollten die Eltern natürlich ein Auge darauf haben, dass die Bücher gewisse Mindeststandards erfüllen. Die Schrift sollte zum Beispiel groß genug sein und der Text inhaltlich Sinn ergeben. Kranz warnt außerdem vor zu viel moralischer Botschaft in den Büchern: „Wenn der pädagogische Zeigefinger allzu aufdringlich erhoben wird oder allzu deutlich wird, welche Botschaft vermittelt werden soll, merken Kinder das schnell.“ Und dann packt es sie nicht.

Die Schule abwarten
Grundschullehrerin Julia Bender ist es außerdem wichtig zu betonen, dass Erstlesebücher nicht für Kinder vor dem Schuleintritt geeignet sind. „Kinder lernen in der Schule lesen, das ist der Inhalt der ersten Klasse. Vorher sind andere Dinge wichtig, wie die richtige Stifthaltung, sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren zu können und vieles mehr. Das wird von vielen Eltern häufig vergessen.“ Wenn es dann soweit ist und das Kind lesen lernt, hält Bender Erstlesebücher für absolut sinnvoll, um jungen Lesern einen sanften Einstieg in die Welt der Literatur zu ermöglichen. Bei der Auswahl wäre es ihrer Meinung nach auch noch wichtig, bei Leseschwierigkeiten mit der Lehrerin Rücksprache zu halten und gegebenenfalls spezielle Bücher mit Silbenschrift auszuwählen. Wenn das Kind nach Meinung der Lehrerin noch nicht bereit für ein ganzes Buch ist, sollte außerdem nichts übers Knie gebrochen werden. „Kinder können sich dann schnell überfordert fühlen von einem ganzen Buch voller Buchstaben“, weiß Bender.

Weiterhin vorlesen
Gerade das gemeinsame Lesen sollte nach Meinung der Referentin für Leseförderung dabei nicht zu kurz kommen: „Bis zum Ende der Grundschulzeit sollte man den Kindern auch noch vorlesen! Erstlesebücher entsprechen zwar der Lesefertigkeit der Kinder, nicht aber dem, was sie bereits verstehen können. Da sind sie durch die Medien bereits viel komplexere Geschichten gewöhnt. Um nachhaltige Lesemotivation zu wecken, ist also der Mix aus dem Vorlesen anspruchsvollerer Geschichten und dem eigenständigen Lesen einfacher Texte ideal“, bekräftigt Kranz. Als Zwischenlösung seien zum Beispiel auch Bücher, bei denen sich Eltern und Kinder beim Vorlesen abwechseln, eine Option.

Qual der Wahl
Konkrete Lesetipps gibt es von den Experten nicht, sondern vielmehr der wiederholte Hinweis, dass die Bücher vor allem die Kinder interessieren müssen. Die Eltern sind aufgefordert, den Kindern entsprechende Angebote zu präsentieren und können darüber entscheiden, welche Bucharten und -formen sie gutheißen. Bei einem Kind mag es funktionieren, wenn einzelne Wörter durch Bilder ersetzt werden oder kleine Rätsel nach jedem Artikel das Gelesene abfragen – andere Kinder sind mit einer „ganz normalen Geschichte“ in möglichst großer Schrift am glücklichsten. Ebenso müssen sich die Eltern überlegen, ob sie es befürworten, wenn die Bücher Ninjago, die Eisprinzessin oder andere beliebte Merchandising-Figuren zum Thema haben, oder die Bücher sich entschieden vom angebotenen Fernsehprogramm unterscheiden sollen. Aber wie gesagt: Im Vordergrund sollte immer die Lesefreude des Kindes stehen. Im besten Fall behalten die Eltern die weitere Leseentwicklung im Blick und erkennen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass ihr Kind auch anspruchsvollerer Lektüre gewachsen ist.

So macht Lesen Spaß-    

Zusammen lesen: In einer Lesezeit jeder für sich oder auch gemeinsam in einem Buch, in entspannter Atmosphäre ohne Zwänge.

  • Viel vorlesen: Der beste Weg, damit das Kind auch frühzeitig ein größeres Interesse an Büchern entwickelt.
  • Leseort: Das kann eine gemütliche Kuschelecke am Fenster genauso wie auch ein Sessel neben dem Bücherregal sein.
  • Leseschwäche? Wer eine Leseschwäche beim Kind vermutet, hält Rücksprache mit der Lehrerin, die Buchtipps geben kann.
  • Immer wieder loben: Bestärken Sie ihr Kind positiv, wenn Ihnen Fortschritte auffallen.
  • Locker bleiben: Lieber öfter mal kurze Lesezeiten einplanen als kurzfristig ein ganzes Buch durchzuackern.
  • Lassen Sie Ihr Kind seinen eigenen Weg finden.


Der ausführlichen Text zu Erstlesebüchern ist Septemberausgabe der Libelle zu finden oder online unter
https://issuu.com/xitix/docs/libelle_september_2019

Tags: Erstlesebücher , Lesenlernen , Vorlesen

Kategorien: Lesen Hören Sehen