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„Eingeimpft“: Berührende Kinodoku

Tanja Römmer-Collmann · 08.10.2018

Filmemacher David Sieveking lässt in seiner neuen Doku "Eingeimpft" ebenso unterhaltsam wie informativ teilhaben an seiner Recherche zum Impfen.

Wer hört, dass der dritte autobiografische Dokumentarfilm von David Sieveking unter dem Titel EINGEIMPFT im Kino anläuft, könnte meinen, dass es 95 Minuten lang ums Für und Wider des Impfens ginge. Wer aber Sieveking schon kennt, zum Beispiel von seiner Vorgängerdoku VERGISS MEIN NICHT über seine demente Mutter, der ahnt ganz zu Recht, dass ihn mehr erwartet: Denn „Eingeimpft“ ist zunächst mal eine feinfühlige Beobachtung des Familie-Werdens, eine humorvolle, liebenswerte Beziehungsgeschichte – und erst dann eine umfassende, weltweite Impfrecherche. Sieveking nimmt den Zuschauer emotional mit in sein Leben, zeigt die Geburt der ersten Tochter ebenso wie den Umzug ins Eigenheim. Und weil das alles so exemplarisch berlin- und hipstermäßig abläuft, ist es ein Aha-Effekt, dies in Spielfilmlänge miterleben zu dürfen. In dieses Alltagsgeschehen verwoben – seine Frau hat kein gutes Bauchgefühl, als Töchterchen Zaria zum ersten Mal geimpft werden soll und fordert ihren Mann auf, sich schlau zu machen –  lässt der Filmemacher seine Impfrecherche einfließen. Dazu fliegt er sogar nach Afrika zu einem dänischen Forscher, erlebt Bill Gates und seine Impfkampagne, spricht mit Stiko, WHO und Pharmabossen und erlebt die Masernepidemie in der Berliner Nachbarschaft. Was am Ende herauskommt, ist sicher keine Entscheidungshilfe oder gar -vorgabe, aber eine ganze Menge angenehm ideologiefreier Information – darunter der Hinweis, dass in Zukunft vielleicht der Unterschied zwischen Lebend- und Totimpfstoffen eine größere Rolle spielen wird, als wir das bisher kennen. Absolut sehenswert – und das bestimmt nicht nur für Impf-Ratsuchende!

Eingeimpft, David Sieveking,
Kinostart Donnerstag, 13.09.2018
eingeimpft-film.de

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