Kultur

Schon Kinder können als Statisten auf die Bühne

Nadine Lente · 28.02.2018

© Hans Jörg Michel

© Hans Jörg Michel

Das Taschengeld als Opern-Statist aufbessern? Joschka Hinrichs zeigt, wie's geht. Er spielt aktuell den Affen bei der Kinder-Oper „Wo die wilden Kerle wohnen“.

Eine feine Gesellschaft in einem Haus der Jahrhundertwende sitzt am kronleuchterilluminierten Tische – während es in der Etage darüber im Kinderzimmer vom kleinen Max recht wild zugeht. Nach gehöriger Schelte seitens der Mutter und dem schroffen Befehl, ohne Abendessen ins Bett zu gehen, wird es nur noch wilder. Der Stoffaffe wird lebendig, Max wächst ein Wolfsschwanz und die feine Gesellschaft verwandelt sich in bizarre, gehörnte Tiere.

Wir befinden uns bei den Proben zur Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“. Plötzlich springt der Affe auf den Tisch – dass unter dem Fell dieses ganz schön wirren, wilden Exemplars ein sympathischer, junger Teenager steckt, würde man wohl nicht sofort vermuten. Joschka Hinrichs (14) heißt der, kommt aus Duisburg und jobbt seitdem er elf Jahre alt ist als Statist an der Deutschen Oper am Rhein. Eigentlich interessiert er sich mehr für (Fuß-) Bälle als für Bühne – wie kommt man denn dann zu so einem Job? Joschka schmunzelt. „Der Vater der Freundin meiner Schwester arbeitet an der Oper und die haben einen sportlichen Jungen in meinem Alter und in meiner Größe gesucht. Meine Mutter hat mich dann überredet, das zu machen.“

Ganz schön aufgeregt war er, als er dann das erste Mal für eine Statisten-Rolle vorspielen sollte. „Da waren so viele Leute im Raum, zum Glück sind die meisten rausgegangen und ich musste nur noch vor dem Regisseur etwas vormachen; das war dann leichte als vor so vielen.“ Für den Affen war Sportlichkeit gefragt, sich wie ein Affe bewegen, herumturnen. Dieses zum Leben erwachte Stofftier in „Wo die wilden Kerle wohnen“ ist bereits Joschkas zweite Rolle; die erste war 2015 in „Der Rosenkavalier“. Joschka teilt sich den Job mit einem anderen Jungen, Laurens Bernhard. So ist es einfacher, die verschiedenen Auftritte, Probentermine und natürlich auch die Schule unter einen Hut zu bringen.

„Viele unserer Statisten teilen sich die Rollen, da sind Studenten dabei, Senioren, aber auch einige Kinder“, erklärt Opernsprecherin Tanja Brill. Für die gibt es selbstverständlich besondere Regeln: „Wir beschäftigen bei uns grundsätzlich erst Kinder ab sechs Jahren. Junge Statisten dürfen maximal drei Mal in der die Woche arbeiten, abends bis spätestens 23 Uhr. Die Arbeitszeit pro Tag beträgt maximal vier Stunden mit obligatorischen, mehreren Pausen.“

Außerdem müssen Kinder immer von einer Betreuungsperson begleitet werden, bei Proben ebenso wie bei Aufführungen. In Joschkas Fall ist das meist Papa Stephan. Und der ist sichtlich stolz auf seinen Sohn. Und nicht nur auf den: Joschkas kleine Schwester Eva (10) bessert mittlerweile ebenfalls als Statistin an der Oper ihr Taschengeld auf. Denn eine Gage gibt es natürlich auch. Brill: „Diese wird für Statisten nach Aufwand bemessen: Für größere Rollen fällt sie höher aus als für kleine.“

Die Deutsche Oper am Rhein sucht übrigens immer wieder Kinder und Jugendliche als Statisten – eine schöne Möglichkeit in den Beruf auf der Bühne hineinzuschnuppern. Wer sich interessiert, kann sich direkt an den Statisterieleiter Michal Matys wenden. Für Joschka steht jedenfalls schon fest: „Meinen nächsten Boys-Day werde ich an der Oper, wahrscheinlich in der Maske, verbringen.“

Tags: Deutsche Oper am Rhein , Die Wilden Kerle

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