Kultur

Die Kunst des Möglichmachens

Eva-Melina Gibson-Gilljohann · 05.06.2018

© Rouzes – iStock

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Es ist nicht alles Kunst, was glänzt: Auch die Düsseldorfer Kunst- und Kulturszene hat so ihre Problemzonen. Es fehlt an Ateliers und Proberäumen, die altgedienten Kulturstätten stehen im Sanierungsstau an. Das alles lässt manche Kunstschaffende erschreckt Abstand halten. Clara Gerlach, kulturpolitische Sprecherin der Grünen und Ratsfrau, zeigt aktuelle Entwicklungen, Chancen und Ideen auf.

Wo steht Düsseldorf als Kunststadt?

Düsseldorf bietet wahnsinnig viel Kunst und Kultur in einer unheimlichen Breite. Zu dieser Vielfalt tragen nicht nur die großen Institutionen bei, sondern auch die vielen Kulturschaffenden, Künstlerinnen und Künstler sowie die zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen von Menschen, die sich in ihrer Freizeit zusammenfinden und Kunst in die Nachbarschaft bringen.

Gerade diese Initiativen kämpfen jedoch oft mit Widrigkeiten – das „Damen und Herren“ oder die „Brause“ suchen nach neuen Räumen, Künstler wandern ab ...

Zunächst einmal müssen wir eine „Ermöglichungskultur“ schaffen – wenn Kulturschaffende eine Idee haben, sollten wir sie so stark wie möglich unterstützen, anstatt ihr Vorhaben unnötig mit Auflagen zu verkomplizieren. Dann geht es um die richtigen Strukturen, die von der Schaffung von Räumen über die nötige Infrastruktur – zum Beispiel durch Werkkunsthäuser, in denen Kunstschaffende neue Materialien ausprobieren können, ohne sich das teure Equipment selbst anschaffen zu müssen – bis hin zu praktischer Unterstützung bei schwierigen Themen wie Lärmschutz oder Brandschutzgutachten führen. Bei der Entwicklung von Flächen müssen wir zudem eine Lobby dafür schaffen, Kultur am Standort zu erhalten. Davon würden alle profitieren – die Stadt, die Kunstschaffenden, die Bürger und auch die Investoren.

Clara Gerlach © Die Grünen

Clara Gerlach auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Düsseldorf © Bündnis 90/Die Grünen

Was tut die Stadt konkret, um Kultur in der Stadt zu halten?

Die Koordinierungsstelle Kreativwirtschaft vermittelt seit mehr als drei Jahren Zwischennutzungen von Gebäuden. Beispiele dafür sind das bald auslaufende Boui Boui, das aktuelle Projekt Post Post sowie die Zwischennutzung der alten Kämmerei durch 0049 Events. Doch so sinnvoll eine Zwischennutzung für das eine Projekt sein kann, bieten sich für andere Projekte andere Alternativen an. Eine weitere gute Möglichkeit stellt beispielsweise die Umwandlung von Flächen in Kulturflächen dar, wie bei der Galerie Reinraum an der Adersstraße, die sich in einem ehemaligen Toilettenhäuschen befindet. Mit der neu geschaffenen Kunstkommission haben wir überdies die Möglichkeit, mehr Kultur in den Stadtraum zu bringen, also zum Beispiel Skulpturen oder gestaltete Fassaden. Im Übrigen bekommen auch Investoren, die Kunst in ihren Bau integrieren wollen, Unterstützung durch die Kommission. Als Beratungsgremium ist sie für alle offen und wird auch von den Künstlern als Mittel zur Gestaltung angenommen und als eine große Chance erkannt, einen Prozess zu gestalten. Und das ist beim gerade erstmals gewählten Rat der Künste auch der Fall. Wir brauchen auf jeden Fall eine ganz starke Stimme von Künstlerinnen und Künstlern in der Stadt, denn an der Kunst und Kultur wird gern gekürzt – die beiden neuen Gremien Kunstkommission und Rat der Künste sind da ein gutes Signal.

Mehr als 30 Kulturgebäude gelten als marode. Was tut sich dort?

In der Tat „poppt“ momentan überall neuer Investitionsbedarf auf. Wichtig ist dabei eine vernünftige Auflistung darüber, welche Gebäude in welcher Form sanierungsbedürftig sind und welche Priorisierung dem Ganzen zugrunde liegt. Ein externes Büro unterstützt die Verwaltung, diesen Bedarf zu erheben und planvoll vorzugehen. Sonst werden sich immer wieder diese neuen Bedarfe auftun, ohne dass vorher einmal darüber geredet worden ist. Viele Maßnahmen sind dabei bereits im Gang beziehungsweise auf dem Weg dahin. Das Museum Kunstpalast hat ein neues Dach bekommen, das Schauspielhaus wird derzeit saniert und auch die Oper hat bereits ihren Sanierungsplan vorgelegt. Zudem ziehen das Forum Freies Theater, die Stadtbücherei und das Theatermuseum in das alte Postgebäude am Konrad-Adenauer-Platz. Dort entstehen zudem noch Lager- und Depotflächen fürs Stadtarchiv, andere Archive sowie das Theatermuseum.

Welche Chancen bietet der Umzug?

Die Stadtbücherei ist zu klein geworden und genügt den Anforderungen schon lange nicht mehr. Die Arbeitsplätze in der Bücherei werden stärker von Schülern und Studenten genutzt, Nutzer halten sich inzwischen deutlich länger in Bücherei auf. Der zusätzliche Raum soll außerdem für das Forum Freie Theater genutzt werden, denn das Theater mit seinen zwei Standorten an der Jahnstraße und der Kasernenstraße benötigt dringend einen neuen Standort, um international anschlussfähig zu sein. Die Bühnenmaße der FFT Juta im Wilhelm-Marx-Haus entsprechen nicht mehr internationalem Standard, was das Zustandekommen von internationalen Kooperationen verhindert. Und das Gebäude des Theatermuseum ist sehr marode.

Dennoch gab es Einwände, gerade bezüglich des Museum – eines der letzten verwunschenen Orte in der Innenstadt ...

Ja, die gab es. Doch der Umzug kann auch neue Impulse geben und ist somit eine große Chance. Am Konrad-Adenauer-Platz ist Platz für ein Schaudepot, ein öffentlich begehbares Archiv – etwas sehr Seltenes in Deutschland. Für ein Museum mit solch einem beeindruckenden Archiv wie dem Theatermuseum wäre das ein Alleinstellungsmerkmal – sonst nie Sichtbares könnte endlich sichtbar gemacht werden.

Neue Impulse – wünschen Sie sich die auch für die kulturelle Bildungsarbeit?

Gerade im Schulbereich wünsche ich mir mehr kulturelle Projekte mit Nachhaltigkeit. Es gibt unglaublich viele, tolle Angebote, die jedoch leider recht kurzfristig sind. Wir sollten uns immer fragen, wie das genaue Wahrnehmen von Kunst sowie das eigene Schaffen und Produzieren stärker bei Kindern und Jugendlichen ankommen kann – ob man das innerhalb eines halben Schuljahres erreicht? Bei längerfristigen Projekten öffnen sich auch Strukturen in Schulen und Köpfen, und die Kinder stellen fest, dass sie Dinge gestalten können – für sich und mit anderen zusammen. Das ist auch für eine Demokratie ganz wesentlich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich würde mir für Düsseldorf wünschen, dass wir uns öfter über Inhalte und Wege zum Ziel streiten können, denn das bringt sowohl die Kunst, die Bürgerschaftn als auch die Stadt insgesamt voran. Jeder kann dabei vom anderen lernen. Die Kunstkommission und der Rat der Künste legen einen wichtigen Grundstein dafür.

Tags: Clara Gerlach , Kunstförderung , Kunstmetropole

Kategorien: Kultur , Stadtgeschehen