Freizeit

Hier geht's aufwärts

Jan Wucherpfennig · 24.04.2018

© Pjiama61 – iStock

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Ob Familien- oder Betriebsausflug, Kindergeburtstag oder Junggesellenabschied – Klettern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Immer mehr Menschen, ob jung oder alt, hängen in der Wand ab und wollen hoch hinaus. Dabei ist die körperliche Fitness nicht der einzige Nutzen, der daraus entsteht. Am Beispiel eines kletterbegeisterten Dachdeckers nähern wir uns dem Phänomen.

Das kleine Ladenlokal des Kletterladens ist vollgestopft mit Kletterutensilien – Karabinerhaken, Klettergurte, Seile, Kletterschuhe, Helme, Crashpads, Kreidebeutel und vieles mehr machen deutlich, dass das Klettern boomt. Ob Boulder- oder Kletterhallen, Hochseilgärten oder Kletterwälder, Klettern begeistert, lässt viele nicht mehr los und für manch einen wird es zur Profession. Marc Peschel, der Betreiber des Kletterladens, ist so einer. Der Dachdeckermeister beginnt mit dem Sportklettern während seiner Lehrzeit. Damals, 1993, gibt es in Düsseldorf nur eine Halle mit einer acht Meter hohen Kletterwand. Das sieht heute ganz anders aus. Allein in Düsseldorf gibt es vier Kletterhallen und einen Hochseilgarten. Zudem locken in der näheren Umgebung mehrere Kletterwälder im Frühjahr und Sommer Groß und Klein auf die Bäume.

Beruflich klettern

Der Dachdecker ist begeistert vom Sportklettern, realisiert schnell, dass sich seine neu entdeckte Leidenschaft gut mit seinem Beruf verbinden lässt. Mehr und mehr nutzt er das Sportklettern für seine Arbeit, seilt sich an Häuserfassaden ab und arbeitet am Seil statt mit Gerüst. Zum einen spart dies Kosten, zum anderen gibt es Einsatzbereiche, an die man mit einem Gerüst nicht herankommt. So zum Beispiel 2003, als die Scheinwerfer auf dem Musical Dome in Köln montiert werden müssen. Höhe und Form des 68 Meter hohen Gebäudes machen die Nutzung eines Gerüsts unmöglich. Peschel lässt sich 2004 zum Industriekletterer weiterbilden, ist heute der einzige Dachdeckermeister in Düsseldorf mit dieser Zusatzqualifikation. Die Begeisterung fürs Klettern hat er sich bis heute bewahrt und geht regelmäßig mit seinem Sohn klettern.

Ängste überwinden

Dafür bieten sich rund um Düsseldorf viele Möglichkeiten. Zum einen sind da die Waldseilgärten, die bei gutem Wetter beliebtes Ausflugsziel auch für Familien sind. Dabei steht nicht so sehr die Technik des Kletterns im Vordergrund als vielmehr die Überwindung eigener Ängste. Die verschiedenen Parcours, die die Besucher bewältigen können, bestehen aus einer Vielzahl von künstlichen Hindernissen aus Seilen, Netzen und Holzelementen, die in unterschiedlichen Höhen in den Bäumen installiert sind. Dabei steht das individuelle Erleben im Vordergrund. Den klassischen Seilgärten mit ihrer Mastbauweise liegt hingegen ein erlebnispädagogisches Konzept zugrunde, bei dem Team- und Kommunikationsfähigkeit gefördert werden sollen. Wesentlich spektakulärer geht es beim Sportklettern zu. Dieses wird sowohl im Freien als auch in der Halle betrieben. Hierbei muss eine festgelegte, zumeist steil nach oben führende Kletterroute mit hohen technischen Schwierigkeiten überwunden werden. Seil und Haken werden dabei nur zur Sicherung und nicht zur Fortbewegung benutzt. Geklettert wird in Teams zu zwei Personen, wobei eine Person vom Boden aus den Partner sichert.

Diagonal bouldern

Anders als beim Sportklettern wird beim Bouldern auf das Sichern durch Seil und Haken komplett verzichtet – die geringe Höhe macht es möglich. Gebouldert wird an Felsblöcken und -wänden, aber auch an künstlichen Kletterwänden in den Kletter- und Boulderhallen. Der Boulderer bewegt sich dabei in horizontaler bis diagonaler Richtung bis zu einer Höhe, von der aus ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Um mögliche Stürze abzudämpfen, werden Matten, die sogenannte Crashpads, verwendet. Auch die Hilfestellung durch einen Partner, den Spotter, ist möglich, der den Stürzenden sicher zu Boden lenken soll. Der besondere Reiz des Boulderns besteht darin, dass es im Gegensatz zum Sportklettern keiner Vorkenntnisse bedarf und sich Erfolge somit schnell einstellen.

Der Nutzen des Kletterns ist vielfältig. Es ist körperlich ganzheitlich, stellt hohe Anforderungen an Technik, Ausdauer, Kraft und Konzentration. Der gesamte Körper wird trainiert, die Körperspannung erhöht und die Konzentrationsfähigkeit gesteigert. Gegenseitiges Vertrauen, aber auch die Eigenverantwortlichkeit werden gefördert. Vor allem aber macht Klettern Spaß und kann von der ganzen Familie betrieben werden.

Tags: Klettern , Kletterwald , Seilgarten

Kategorien: Freizeit , Stadtgeschehen