Freizeit

Fit fürs Rad

Jan Wucherpfennig · 14.05.2018

© altanaka / Photocase

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Samstag Vormittag, langsam füllt sich die Kinder- und Jugendrad-Abteilung des Fahrradmarkts. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Dreiräder, Rutschfahrzeuge, Bobby-Cars, Laufräder und natürlich auch Kinder- und Jugendräder von zwölf bis zwanzig Zoll, für Jungen und Mädchen, von Schwarz bis Pink, dazu noch Scooter und Kickboards, für die Familien Kindersitze und Fahrradanhänger – eigentlich ist hier für jeden etwas dabei. Doch wie finden Familien das richtige Modell einschließlich Zubehör?

„Unser Tim möchte gern ein Fahrrad,“ sagt eine junge Mutter und schaut sich suchend nach ihrem Sohn um. Der sitzt auf einem blauen Wutsch und kurvt um die Kinderfahrräder herum, ohne diese eines Blickes zu würdigen – die interessieren ihn überhaupt nicht. Drei Jahre sei der Tim gestern geworden und es sei ja nun wohl an der Zeit, dass er Fahrradfahren lerne, so der stolze Vater, der verzweifelt versucht, seinen Sohn vom Rutschfahrzeug zu den Kinderrädern zu manövrieren. Unterdessen suchen eine Mutter und ihre neunjährige Tochter das passende Rad für die Drittklässlerin – bald sei in der Schule Fahrradprüfung und dafür ist das alte, mit zwanzig Zoll bereifte Rad mittlerweile zu klein. Im Mittelpunkt einer solchen Fahrradprüfung an den Schulen steht immer die Verkehrssicherheit. Dazu muss ein Fahrrad mit einer straßenverkehrstauglichen Lichtanlage ausgestattet sein, Speichenreflektoren haben (es genügt auch der Reflektorstreifen auf dem Mantel), ein weißer Reflektor vorne, ein roter Reflektor hinten, Reflektoren an den Pedalen und eine Klingel. Außerdem müssen beide Räder separat gebremst werden können – in Deutschland eine Selbstverständlichkeit, im benachbarten Holland ist dies kein Muss. Das sollte zum Beispiel bei der Bestellung eines Hollandrads im Internet berücksichtigt werden, sonst kann die Enttäuschung groß sein.

Mountainbike nachrüsten

Ein Mountainbike soll es sein, wenn es nach dem Willen der Tochter geht, die Mutter möchte lieber etwas „Ordentliches“ haben, mit Licht, Schutzblech und Gepäckträger. Das ist aber auch bei einem Mountainbike kein Problem. Viele Hersteller halten sogenannte All-Road- oder Street-Modelle bereit, die bereits voll ausgestattet sind, zum Teil auch mit Gepäckträger. Doch das vorhandene All-Road-Modell gefällt weder Mutter noch Tochter – das Wunschrad der Tochter ist allerdings nicht straßenverkehrstauglich. Aber solche Räder können leicht nachgerüstet werden. Vernünftige, für den Straßenverkehr zugelassene Batterielichter gibt es bereits ab 25 Euro, Klingeln gibt es in großer Auswahl und auch die Reflektoren sind in jedem gut sortierten Fahrradladen Standard. Auch Schutzbleche und Fahrradständer können nachgerüstet werden, sind aber im Gegensatz zu den vorher erwähnten Zusatzteilen kein Muss. Ob ein Mountainbike einen Gepäckträger braucht, ist Geschmackssache. Den Gepäckträger zu nutzen, um den schweren Tornister zu transportieren, ist zwar ein nachvollziehbares Argument, zu bedenken ist jedoch, dass das große Eigengewicht des Tornisters sich auf dem Gepäckträger leicht selbstständig machen kann. Wenn, dann sollte der Ranzen separat gesichert werden, durch einen Korb und entsprechende Gurte. Die Neunjährige kann sich durchsetzen, das Mountainbike wird gekauft, dazu noch Lichter, Reflektoren, Schutzbleche und Ständer. Auf den Gepäckträger wird verzichtet, sieht bei einem MTB auch blöd aus – einen Porsche gibt es ja auch nicht mit Anhängerkupplung.

Sitzhaltung überprüfen

Tim hat sich mittlerweile in ein dunkelblaues Fahrrad im Piratendesign verguckt. Das will er haben. Immer gut, wenn Kinder wissen, was sie wollen. Nun muss das Rad natürlich noch „anprobiert“ werden, denn es muss passen. Grundsätzlich sollte bei Kinder- und Jugendfahrrädern immer darauf geachtet werden, dass die jungen Radfahrer, wenn sie gerade auf dem Sattel sitzen, mit den Füßen sicher auf den Boden kommen – nur die Zehenspitzen sind zu wenig. Auch muss der Abstand zwischen Lenker und Sattel stimmen. Ist er zu groß, sitzt das Kind mit durchgestreckten Armen auf dem Read, und kann so nicht richtig lenken. Häufig argumentieren Eltern damit, dass das Kind ja noch wachse und ein größeres Rad länger halte. Doch aus Sparsamkeit ein zu großes Fahrrad zu kaufen, kann lebensgefährlich sein. In der Regel passt ein Kinder- und Jugendrad eineinhalb bis zwei Jahre. Je nach Qualität, Originalpreis und Zustand kann es dann zumeist gut weiterverkauft werden.

Helme anprobieren

Der Dreijährige ist glücklich mit seinem Piratenrad, würdigt das Rutschfahrzeug keines Blickes mehr und freut sich auf seine ersten Fahrversuche. Stützräder braucht der Laufradprofi, wie ihn seine Eltern nennen nicht, sein Gleichgewichtssinn ist gut geübt, das Pedalieren wird er schnell lernen. Mit ein wenig Unterstützung der Eltern sollte er das Radfahren rasch trainieren können – dabei sollten diese aber immer nur Tim festhalten, nicht das Fahrrad, denn das soll ja der Junge im Griff haben. Jetzt noch der richtige Helm. Dort ist Design nicht alles, der Helm muss vor allem auch passen, es gibt runde und eher ovale Kopfformen und passende Helme dazu. Da lohnt es sich, sich die Zeit zu nehmen und im Fachgeschäft einige Helme anzuprobieren und sich beraten zu lassen – ein Helm, der nicht richtig passt ist, kein Schutz, weder fürs Kind noch für Erwachsene. Denn: Bei allem, was mit dem Radfahren zu tun hat, sollten Eltern ein Vorbild sein. Warum sollen sie, fragen sich besonders die älteren Kinder, einen Helm tragen, wenn dies die Eltern nicht tun? Verkehrserziehung ist nicht Aufgabe der Polizei, sondern der Eltern. Gemeinsame Radausflüge sind dabei gute Gelegenheiten, sicheres und korrektes Verhalten im Straßenverkehr zu üben - und machen zudem auch Spaß. Allzeit gute Fahrt!

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