Freizeit

Eene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh …

Jan Wucherpfennig · 14.03.2018

© snegok13 - iStock

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Moderne Zoos gestalten die Tiergehege möglichst offen, naturnah und auf die Bedürfnisse der tierischen Bewohner abgestimmt. Im Vordergrund der zoologischen Arbeit steht neben dem Artenschutz und -erhalt die Bildung der Besucher. Zooschulen liegen im Trend.

Seelöwenbulle Edu schnellt in die Höhe, schnappt sich den Fisch aus den Händen des Tierpflegers, dreht eine Pirouette in der Luft und lässt sich mit lautem Getöse wieder in das Becken fallen. Das Wasser spritzt, und wer von den Zuschauern nicht schnell genug ausweicht, läuft Gefahr, nass zu werden. Begeistert klatscht die kleine Lea in die Hände, ihre Augen strahlen, sie lacht und hüpft vor Freude. Für sie ist Edu der Star des Krefelder Zoos, der Höhepunkt ihres Zoobesuchs. Von jeher üben Zoos auf Kinder, aber auch auf viele Erwachsene, eine ungeheure Faszination aus. Allen Zookritikern zum Trotz steigen die Besucherzahlen in den großen deutschen Zoos stetig. Wo sonst sind auf kleinem Raum Tiere aus allen Kontinenten zu bestaunen? In einer Welt, in der die Kuh lila ist, Paula heißt und es ihre Milch schon in Pulverform gibt, ist der Zoo oft der einzige Platz, an dem Kinder noch live mit Tieren in Berührung kommen.

Geschichten erzählen

Heute gibt es allein in NRW zwölf Zoos und noch etliche Tierparks und -gärten. Bundesweit listet die Webseite zoo-infos.de mehr als 870 Zoos oder zooähnliche Anlagen auf. Wurden die Tiere bis ins frühe 20. Jahrhundert lediglich zur Schau gestellt, die Gehege nach dem jeweiligen Geschmack der Zeit erbaut und oft den Bedürfnissen der Insassen in keinster Weise angepasst, so begannen sich Aussehen und auch Philosophie der Zoos ab Mitte des 20. Jahrhunderts zu wandeln. Nach und nach haben die deutschen Zoos die Gehege der Tiere umgestaltet und ihren Bedürfnissen angepasst. Heute stehen die artgerechte Haltung, die Forschung, der Natur- und Artenschutz und die Bildung im Vordergrund der zoologischen Arbeit. So verfügt fast jeder der großen Zoos in Nordrhein-Westfalen über eine eigene Zooschule, in denen richtlinienbezogener Unterricht erteilt wird. Die Zoos machen ihren Tierbestand für den Unterricht in den verschiedenen Schulformen nutzbar. Im Biologieunterricht sollen durch den Zoobesuch und die unmittelbare Begegnung mit den Tieren biologische Zusammenhänge eigenständig entdeckt und veranschaulicht werden. Doch auch für Fächer wie Philosophie, Kunst oder auch Ethik öffnen sich die Zooschulen immer mehr. Im normalen Zoobetrieb macht das Beobachten der Tiere und ihres Verhaltens, das Entdecken von Eigenheiten und artspezifischen Charakteristika einen Großteil des Erlebnisses Zoo aus. Tiershows, wie das Füttern von Seelöwen, Pinguinen oder Eisbären, dienen dazu, den Besuchern Geschichten über die Tiere zu erzählen – wie sie heißen, wo sie geboren wurden, wo ihre Artgenossen in der freien Wildbahn leben und vieles mehr. Im Kölner Zoo lassen die Tierpfleger die Robben Müll aus dem Wasser holen, um so über die Problematik der Vermüllung der Meere und unseres Planeten aufmerksam zu machen. Auch für die Tiere ist ein solches Schauprogramm wichtig. Es fördert die intellektuellen Fähigkeiten der häufig sehr intelligenten Tiere und gestaltet ihren Zooalltag abwechslungsreicher. Und wer weiß, vielleicht hat auch der Seelöwenbulle Edu Spaß am freudigen Verhalten der vierjährigen Lea.

Erdmännchen Zoo Krefeld

© Magnus Neuhaus

 

Realität nicht ausklammern

"Das glaubt mir ja in der Schule kein Mensch", staunt die siebenjährige Silvia, als sie zum ersten Mal mit der Familie einen Zoo besucht und dort das kleine Elefantenrudel beobachtet. Natürlich sind diese Tiere letzendlich trotz der Felsen, des Wasserbeckens und einer Auslauffläche zwischen hohen Bäumen gefangen. Ihre Einzelschicksale können einen dauern. Daher haben sich auch viele kleinere Zoos und Tierparks von etlichen Tieren getrennt, die sich nicht artgerecht halten können. In Gefangenschaft geborene Tiere finden in anderen Zoos ein Zuhause. So entwickeln manche Zoos Schwerpunkte, kümmern sich um „ihre“ Tiergruppe ganz besonders. Bei gefährdeten Tierarten wie zum Beispiel den Nashörnern arbeiten die Zoos intensiv an der erfolgreichen Zucht, um der Gefahr des Aussterbens entgegenzuwirken. Auf einer Schautafel erfahren Silvia und ihre beiden jüngeren Geschwister traurige Geschichten: Wie Wilderer im fernen Afrika immer wieder Elefanten und Nashörner töten, um an das begehrte Elfenbein ihrer Stoßzähne und das Horn des Nashorns zu kommen. Europäische Zoos beteiligen sich mit ihren Experten an der Arbeit in afrikanischen Schutzzonen, schicken Ranger zum Schutz oder beteiligen sich an der Heilung verletzter Tiere. Gerade Kinder öffnen ihr Herz schnell, wenn sie ein Lebewesen leibhaftig vor sich sehen, und so sensibilisiert der Zoobesuch sie für die Hintergründe. Sie fangen an, nachzudenken und Fragen zu stellen. So geht es auch den achtjährigen Zwillingen Mats und Bent beim Besuch ihrer ersten Delfinschau: Zwar freuen sie sich sehr über die Kunststücke und die Gelehrigkeit der Tiere, erkennen aber doch, dass ein Aquarium kein freies Meer ersetzt und machen sich erstmals in ihrem jungen Leben Gedanken über das Leben in Freiheit oder Gefangenschaft. „Ich finde es gut, dass diese Themen nicht ausgeblendet werden, sondern der Zoo offen damit umgeht“, sagt ihr Vater Jens, „das war in meiner Jugend noch anders: Da sollten wir der Illusion eines glücklichen Tierlebens im Zoo verfallen.“

Tiere hautnah erleben

Zoos sind neben allem anderen auch Wirtschaftsunternehmen, die versuchen müssen, ihre Kosten zu decken. Das ist auf Grund der hohen Betriebskosten für Energie, Personal und Futter nicht immer möglich. Und so versuchen Zoos neue Wege zu gehen, sich durch verschiedenartige Konzepte von den Mitbewerbern abzugrenzen. Bestes Beispiel ist da der Zoom in Gelsenkirchen, der durch seine begehbaren Kontinentwelten den Zoobesuch zum (mehr als) ganztägigen Erlebnis macht – Geschichte und Entwicklung der einzelnen Tierarten und der Artenschutz treten dabei vergleichsweise etwas in den Hintergrund. Dafür erfahren Kinder, wie die Welt in fernen Kontinenten aussehen könnte und dass es nicht überall so ist wie hier bei uns. Zoos wie Köln, Krefeld oder Wuppertal versuchen mit ihren Zooschulen die Schüler für den Zoo zu begeistern und locken mit immer wieder neuen Programmideen. So bietet der Krefelder Zoo Übernachtungen im Zoo für Kinder an, andere Zoos locken Sportbegeisterte mit Zooläufen in ihren Park und auch Kunstinstallationen sollen neue Besucher neugierig machen. Ein Klassiker sind auch Kindergeburtstage im Zoo: Verschiedene Mottos und Themen stehen zur Auswahl. Die Kinder kommen in den Genuss einer ansprechend geführten Tour, lösen Aufgaben, dürfen auch mal hinter die Kulissen schauen und ausgewählte Tiere hautnah erleben – zudem ziehen sie mit dem Bollerwagen übers Gelände und haben ausreichend Gelegenheiten zum Picknicken und Toben. Was wohl die Tiere von all dem halten, mag mancher fragen? Ihnen wird es egal sein, Hauptsache es gibt was zu fressen ...

 

 

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