Freizeit

Gärtnern in der Stadt

Carolin Scholz · 09.04.2020

© Düsselgrün

© Düsselgrün

Draußen lockt der Frühling, doch wegen Corona hockst du viel zu Hause. Unsere Pflanzentipps für Fensterbank und Balkon bringen dir das Grün in die Wohnung. Denn in den vier Wänden kann es ganz schön eng und trist werden – besonders wenn draußen der Frühling zwitschert, duftet und hell strahlt. Aber es lässt sich immer ein bisschen Grün ins Leben holen, angefangen auf der Fensterbank bis hin zum eigenen Hof oder Garten.

Das Leben in der Stadt ist in vielen Belangen sehr bequem und abwechslungsreich. Es gibt jede Menge zu unternehmen. Der Kindergarten, die Schule, die Arbeitsstelle und der Supermarkt sind schnell zu erreichen und auch man selbst ist gut angebunden. Alles, was man braucht, liegt direkt vor der Tür. Aber wirklich alles? Denn eine zentrale Wohnlage bedeutet oft auch viel Asphalt, Autolärm, schlechte Luft. Für viele Stadtbewohner*innen wird daher die Sehnsucht nach Natur, nach Grün, nach frischer Luft immer größer. Und in Zeiten von Corona ist dieses Grün womöglich zumindest tageweise unerreichbar geworden.

Dabei gibt es auch mitten in der Stadt und insbesondere in Düsseldorf die Gelegenheit, sich ein bisschen Grün ins Leben zu holen. Sogar dann, wenn man keinen eigenen Garten, sondern nur ein Fensterbrett oder einen Balkon zum Bepflanzen hat. Denn auch auf kleinem Raum kann jede und jeder ein ganz eigenes Gartenprojekt angehen. Alles, was nötig ist, sind die Lust aufs Gärtnern, ein bisschen Planung und ein paar Hilfsmittel.

Die Natur berühren

Gerade für Kinder ist es sinnvoll, auch mal selbst mit Erde und Pflanzen in Berührung zu kommen. Lea Thomas, Leiterin der Waldschule im Düsseldorfer Wildpark, sagt: „Wenn Kinder die Natur mit allen Sinnen kennen lernen – sie riechen, fühlen und schmecken – bauen die Kinder schnell emotionale Beziehung dazu auf.“ Dann entstehe auch ein besseres Bewusstsein dafür, wie schützenswert die Umwelt ist – und was man selbst dafür tun kann.

Außerdem gibt es bei der Beschäftigung mit dem Stadtgrün viel zu lernen. Was braucht eine Pflanze, bis sie groß ist? Was tut ihr gut – und was nicht? Und auch Geduld zu haben und Verantwortung zu übernehmen stehen auf dem Lehrplan beim eigenen Gartenprojekt. Dass Kinder großes Interesse an Pflanzen haben, merkt Dr. Joachim Busch immer wieder. Der Biologe gibt im Rahmen der Kinderuni verschiedene Kurse im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität. Er empfiehlt für den Einstieg ins Gärtnern Pflanzen, die man auch essen kann. „Erdbeeren und Himbeeren sind recht ausdauernd und lassen sich auch in einem Kübel auf dem Balkon ziehen“, sagt er. Auch Sprossen aus Samen zu ziehen oder Kresse auf der Fensterbank sprießen zu lassen, sei gut für den Anfang geeignet. Denn weil diese Pflanzen schnell keimen, kann man dem Wachsen praktisch zusehen. Und auf dem nächsten Butterbrot machen sie sich auch gut.

Riecht gut, schmeckt gut

Kresse und Sprossen kann man sogar ohne Erde und damit ohne Schmutz am Küchenfenster ziehen. Für Kresse etwa legt man ein flaches Gefäß mit Watte oder Küchenpapier aus und streut dann die Kressesamen darauf. Wird die Unterlage immer schön feucht gehalten, lässt sich schon nach wenigen Tagen beobachten, wie sich die Samen öffnen und ein kleiner Stängel herausbricht. So ein schnelles Erfolgserlebnis macht Lust auf mehr. Auch Joachim Busch rät zu Pflanzen, bei denen alle Sinne zum Einsatz kommen. Neben essbaren Exemplaren denkt er dabei auch an welche, die besonders gut riechen. Von der Duftblattpelargonie zum Beispiel gibt es verschiedene Sorten, deren Blätter besonders intensiv duften. Nach Beeren zum Beispiel. Oder nach Zitrusfrüchten. Manche sogar nach Kokosnuss oder Muskat. Spannend können auch Pflanzen wie Wollziest sein – auf englisch Lambs Ear, also Lammohr. Denn die Blätter fühlen sich fast ein bisschen wie ein fein behaartes Öhrchen an.

Ein weiteres Kriterium ist natürlich auch, wo gepflanzt werden soll. Hat man Platz vor einem Südfenster oder liegt der Balkon eher schattig? Brauchen die Pflanzen es eher feucht, kommt vielleicht auch ein Blumentöpfchen im Badezimmer in Frage. Und wer einen kleinen Hof, eine Baumscheibe vor der Tür oder sogar einen Schrebergarten hat, kann auch Pflanzen wählen, die mehr Platz brauchen. Wichtig beim Gärtnern mit Kindern ist es, die Finger von giftigen oder stacheligen Pflanzen zu lassen. „Der blaue Eisenhut hat eine schöne Blüte, ist aber extrem giftig“, sagt Joachim Busch. In vielen Gärtnereien werden giftige Pflanzen mittlerweile am Etikett ausgewiesen – es schade aber nicht, vor Ort nachzufragen.

Küchenabfälle zum Blühen bringen

Wer mit kleinem Budget starten will, kann versuchen, aus Küchenabfällen Neues zu ziehen. Den unteren Teil einer Stange Porree kann man – wenn die Wurzel noch dran ist – in ein Töpfchen Erde setzen. „Der wächst relativ schnell an“, ist sich Joachim Busch sicher. Oben entstehe dann ein Blühkopf in grau und rosa, der bei Bienen sehr beliebt ist. Auch den unteren Teil vom Staudensellerie könne man in die Erde setzen – genauso wie Möhren, die beim Kaufen oben noch Grün haben. Schneide man nicht zu viel von unten ab, lässt sich das obere Stück wieder einpflanzen.

Und dann gebe es noch Pflanzen, die sich ganz ungewöhnlich vermehren. Brutblatt zum Beispiel – eine Pflanze, die an den Rändern ihrer Blätter kleine Tochterpflanzen bildet. Die fallen irgendwann in die Erde und schlagen Wurzeln. Pluspunkt: Die Pflanzen sind pflegeleicht und halten auch mal einen Urlaub ohne Gießen aus. Schon mit ein paar Töpfchen oder Kübeln – oder in etwas größerem Maßstab selbst gestapelten Wein- und Bäckerkisten – können Familien sich so auch auf kleinem Raum ein grünes Idyll oder eine kleine Forschungsstation einrichten. Und schon ist der Ausblick in die manchmal etwas graue Stadt viel weniger grau.

Die große Gartenlust

Willst du noch mehr zum Thema „Gärtnern in der Stadt“ erfahren?

Hier gibt es noch weitere Libelle-Texte zu dem Thema:

So lebt's sich grün – Initiativen, Projekte und Ideen zum Mitmachen

Hexensuppe und Regenwurm: Familienleben im Garten

Buchtipps zum Gärtnern in der Stadt

Tags: Gartenlust , Gärtnern auf der Fensterbank , Grüner Balkon

Kategorien: Gesundheit , Freizeit , Stadtgeschehen , Nachhaltigkeit