Erziehung

Zurück auf die richtige Spur

Besima Donlagic-Kraaß · 11.02.2018

© Africa Studio - stock.adobe.com

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Eine ganze Reihe von Familien- und Erziehungsberatungsstellen hilft Eltern und Kindern dabei, Auswege aus schwierigen Situationen zu finden.

Wenn Eltern mal gar nicht weiterwissen, wie sie ihrem Kind gerecht werden können, wenn sich unschöne Verhaltensweisen, heftige Streitthemen und missliche Kommunikationsmuster festgefahren haben, dann helfen Erziehungsberater den Familien, einen Ausweg zu finden und das Miteinander wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Das Thema Erziehung begleitet die Eltern von der Babyzeit bis in die Pubertät. Und es ist tatsächlich eine große Aufgabe. Am Anfang sind es Fragen, die unter anderem das Stillen, die Beikost, das Schlafen beziehungsweise den Schlafmangel der Eltern betreffen – und einmal aus dem Gröbsten raus, stellen sie fest, dass die Erziehungsthemen mit den Jahren immer komplexer werden. Eine „Phase“ jagt die andere. Zweifel, Fragen und Überraschungen treten plötzlich auf. Manche Eltern stehen daher aus gutem Grund vor der Frage, wie es weitergehen soll, wie sie dem Kind und sich selbst gerecht werden können. Eine gute Hilfestellung bei Problemen in der Erziehung bieten in solchen Fällen Erziehungs- und Familienberatungsstellen.

Familien bringen alle Themen mit
Der Beratungsbedarf ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Stress, Trennungskonflikte und Zeitdruck belasten viele Familien. Sich Unterstützung in Lebensfragen zu holen, ist glücklicherweise heute kein Makel mehr. Vielmehr ist es wichtig, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu lösen. „Familien bringen alle Themen mit. Trennung, Erziehungsfragen, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, Streit werden unter anderem in unseren Beratungsgesprächen thematisiert. Bei etwa 30 bis 40 Prozent aller Fälle geht es jedoch um Trennungs- und Scheidungskonflikte. Die Auseinandersetzungen der strittigen Eltern belasten Kinder sehr. Auf ihrer Suche nach Halt werden sie hin- und hergerissen und geraten oft in Loyalitätskonflikte zwischen Mutter und Vater. Unser Angebot ‚Kinder im Blick’ richtet sich an Eltern in Trennung und hilft ihnen, den Blick wieder auf die Bedürfnisse der Kinder zu richten“, erzählt Birgit Langer, Leiterin der Caritas Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Rath.

Diese Beratungsstelle kooperiert – wie viele andere auch - mit sieben Familienzentren und bietet dort Informationsveranstaltungen oder Sprechstunden an. Alle Angebote sind kostenfrei, der Ersttermin findet in der Regel innerhalb von 14 Tagen statt. So wird sichergestellt, dass betroffene Eltern ohne großen Aufwand an Hilfe kommen. Aus demselben Grund gibt es die Beratungsstellen eines Trägers auch in verschiedenen Stadtteilen – um dort zu sein, wo die Familien leben. Ein besonderes Familienangebot der Rather Beratungsstelle ist das Projekt „Löwenzahn“, das sich an psychisch belastete beziehungsweise psychisch kranke Eltern richtet. In der Gruppe können sich Eltern austauschen und die eigenen Ressourcen zur Stressbewältigung stärken. Aktuell sucht die Beratungsstelle Familienpaten, die mit Kindern aus belasteten Familien verschiedene Freizeitangebote wahrnehmen und die Familie im Alltag unterstützen. Solche Familienpaten werden für diese Aufgabe von Caritas vorbereitet und qualifiziert.

Jugendberatung
Gerade hat es wieder Zeugnisse gegeben. In nicht wenigen Familien hängt deswegen der Haussegen schief. Manche Eltern haben zu hohe Erwartungen, manche wiederum resignieren und lassen die Kinder mit Schulproblemen allein. Und dann sind da noch die Schulverweigerer, deren Eltern aus Verzweiflung schließlich eine Jugendberatung aufsuchen. „Die Gründe, warum Kinder die Schule verweigern, sind nicht einheitlich. Das kann beispielsweise die Angst vor nicht erfüllbaren Leistungsanforderungen, Angst vor sozialen Kontakten oder Mobbing sein. Unsere Aufgabe ist es, den Ursachen auf die Spur zu kommen und gemeinsam mit den Eltern oder gegebenenfalls auch mit der Schule eine Lösung zu finden“, erklärt Friedel Beckmann, Diplom-Psychologe und Leiter der Jugendberatung beim Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Düsseldorf. Die Beratungsstelle richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre und bietet neben Beratung auch Information und Therapie durch ausgebildete Psychotherapeuten an. Berufswahl, Depressionen, Ärger mit den Eltern, Liebeskummer, Stress in der Schule, Gewalterfahrungen, Alkohol- und Drogenprobleme – die Palette der Themen, mit denen die Jugendberatungsstelle konfrontiert wird, ist breit. „Um Jugendliche besser erreichen zu können, bieten wir auch Mail- und Chatberatung an und arbeiten unter anderem eng zusammen mit Schulen und Einrichtungen der Jugend- und Berufshilfe“, erklärt Beckmann.

Hilfe für geflüchtete Menschen
Auch geflüchtete Menschen in unserer Stadt bekommen kompetente Unterstützung. So zum Beispiel beim Psychosozialem Zentrum PSZ, einer Beratungs- und Therapieeinrichtung für traumatisierte und psychisch belastete Flüchtlinge. Dorthin hat sich auch der zwölfjährige Osama aus dem Irak gewandt, als er allein mit seinem traumatisierten Vater in Düsseldorf lebte und den Schulalltag, Behördengänge, das Leben in der neuen Stadt und die Sehnsucht nach seiner Mutter und den Schwestern im Irak, bewältigen musste. Die verschiedenen Beratungsstellen in unserer Stadt erfüllen also eine große Aufgabe, indem sie Familien vertraulich beraten, informieren und ihnen Hilfestellung in Krisensituationen bieten. Erstaunlich ist die Anzahl kostenfreier Angebote, die Träger wie die Stadt, Kirchen und Wohlfahrtsverbände auf die Beine stellen. Egal, ob Elternteil oder Kind nicht mehr zurechtkommt, ob es um Mobbing oder Geschwisterstreit geht – für jede Art von Problem gibt es eine entsprechende Beratung. Die Zeiten, als Kinder von der gesamten Großfamilie erzogen wurden, sind vorbei. Eltern müssen sich dennoch nicht mit ihren Erziehungsfragen allein fühlen. Passgenaue Angebote sind da und bieten die Chance, das Familienleben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Also, gut beraten?

 

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Caritasverband Düsseldorf, Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Tel. 0211.51 62 97 78, caritas-duesseldorf.de
SKFM Düsseldorf, Jugendberatung, Tel. 0211.469 62 00, die-jugendberatung.de
Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge PSZ, Tel. 0211.54 41 73 22, psz-duesseldorf.de
Stadt Düsseldorf, Jugend- und Elternberatung des Jugendamtes, Tel. 0211.899 53 61, duesseldorf.de/jugendamt
Diakonie Düsseldorf, Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen, Tel. 0211.91 31 88 40, diakonie-duesseldorf.de
ProMädchen – Mädchenhaus Düsseldorf, Mädchenberatungsstelle, Tel. 0211. 48 76 75, promaedchen.de
Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung EFL, Tel. 0211.179 33 70, efl-beratung.de

Tags: Erziehungsberatung

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