Erziehung

Ziel: Wieder zur Schule

Nadine Lente · 31.12.2017

© Lukas Krankenhaus

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In der Kinder- und Jugendklinik am Neusser Lukaskrankenhaus finden Kinder Hilfe, denen schulische Probleme buchstäblich auf den Magen geschlagen sind ...

Nicht selten münden schulische Probleme bei Kindern und Jugendlichen in Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Manche Schüler geraten darüber in einen Kreislauf des Nicht-in-die-Schule-Gehens. Diplom-Psychologin Claudia Hasse berichtet über die Arbeit der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik am Neusser Lukaskrankenhaus. Hier finden Kinder Hilfe, wenn der Kinderarzt keine organischen Ursachen für die Beschwerden findet.

Was sind typische körperliche Symptome bei Kindern, mit denen sie auf schulische Probleme reagieren?
Claudia Hasse: Die Symptome sind vielfältig! Bei Kindern und Jugendlichen können im Zusammenhang mit schulischen Belastungsfaktoren unter anderem Kopf- und Bauchschmerzen, Schwindel und Übelkeit bis hin zum Erbrechen auftreten. Solche Belastungen können zum Beispiel durch lange Schultage, Klausurphasen, anhaltende schulische Überforderung oder eigene überhöhte Leistungsansprüche entstehen. Auch Konflikte mit Gleichaltrigen spielen manchmal eine Rolle. Die Familien wenden sich dann zunächst an den Kinderarzt, später auch an andere Fachärzte, die aber in vielen Fällen keine organische Ursache feststellen - die Schmerzen sind aber tatsächlich da.

Wie sieht die Behandlung am Lukaskrankenhaus aus?
Halten die Beschwerden mehr als vier bis sechs Monate an und das Kind ist im Alltag kaum mehr in der Lage, zur Schule zu gehen, wenden sich Kinderärzte, Spezialambulanzen und auch die Eltern an uns. Die Schülerinnen und Schüler im Alter von acht bis 18 Jahren werden für etwa vier bis acht Wochen stationär bei uns im Lukaskrankenhaus aufgenommen. Das heißt, dass sie montags bis freitags hier leben und die Klinikschule besuchen, am Wochenende aber nach Hause dürfen. Unser Behandlungskonzept setzt sich unter anderem aus Einzel- und Familientherapie, Physiotherapie, Entspannungstraining und durch von Erziehern geleitete Freizeitaktivitäten zusammen. Dabei geht es darum, die Beschwerden zu reduzieren, gemeinsam die Ursache herauszufinden und Strategien zu entwickeln, die Symptome in Zukunft aktiv selbst bewältigen zu können.

Wie können solche Strategien aussehen?
Wichtig ist die Einhaltung einer normalen Tagesstruktur mit Schulbesuch. Dazu kommt das Erlernen von aktiven Schmerzbewältigungsstrategien. Hierzu zählen Methoden der Ablenkung und Techniken der Stressbewältigung, aber auch körperliche Aktivität wie beim Sport. Gegen Ende des stationären Aufenthalts begleiten wir die schulische Wiedereingliederung, das heißt, das Kind besucht wieder die eigene Schule, aber zunächst für eine Stunde von der Klinik aus, dann mit tageweiser erhöhter Stundenzahl. Dabei arbeiten wir mit den Lehrern vor Ort, dem schulpsychologischen Dienst und ambulanten Therapeuten zusammen, an die das Kind sich auch, wenn es in den Alltag zurückkehrt, wenden kann.

Was können Eltern tun?
Oft werden durch die Fürsorge der Eltern, wenn sie zum Beispiel dem Kind nachgeben und es immer wieder in der Schule entschuldigen, die Beschwerden aufrechterhalten. Natürlich ist es richtig und wichtig, die Beschwerden des Kindes ernst zu nehmen. Wenn aber keine organischen Ursachen gefunden werden, sollten Eltern ihre Kinder ermutigen, ihren normalen Alltag wieder aufzunehmen. Umso wichtiger ist es, die tatsächlich zugrunde liegenden Probleme zu erkennen und zu lösen. Falls Eltern vermuten, dass ihr Kind Angst vor der Schule hat, können sie sich zum Beispiel neben dem Kinderarzt zeitnah auch an den Klassenlehrer, die Sozialarbeiter der Schule oder den schulpsychologischen Dienst wenden.

 

Das Gespräch führte Tanja Römmer-Collmann.

Kontakt, Information und Beratung für Betroffene: Klinik für Kinder und Jugendliche, Lukaskrankenhaus Neuss, Abteilung Pädiatrische Psychosomatik, Tel. 02131.888 35 05, psychosomatik@lukasneuss.de

Tags: Interview , Lukaskrankenhaus Neuss , Pädiatrie , Psychosomatik

Kategorien: Erziehung