Erziehung

Spielzeug für alle

Tina Adomako · 24.03.2020

© Ciani-Sophia Hoeder

© Ciani-Sophia Hoeder

Kinder wollen sich in ihrem Spielzeug wiedererkennen. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn es keine schwarzen Puppen oder Spielfiguren gibt. Ein Online-Shop möchte das ändern.

Kinder spielen sich ins Leben. Im Spiel entdecken sie sich und die Welt. Doch was ist, wenn sich ein Kind in seinen Spielsachen – Spielfiguren, Puppen und auch Abbildungen und Büchern – nirgendwo wiederfindet? Wenn schwarze oder muslimische Kinder einem Spielzeugangebot ausgesetzt sind, das eine rein weiße Welt vorgibt? „Wenn wir durch einen 500-seitigen Produktkatalog eines Spielwarenherstellers blättern, finden wir mit etwas Glück drei Produkte, die Kinder anderer Hautfarbe berücksichtigen“, sagen Olaolu Fajembola und Tebbi Nimindé-Dundadengar, die vor kurzem einen Online-Shop mit Spielwaren für Kinder in einer diversen Gesellschaft gegründet haben. Obwohl der demografische Wandel zeigt, dass heute gerade die Kindergeneration in Deutschland so divers ist wie keine zuvor (heute haben fast 40 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen sogenannten Migrationshintergrund, in Großstädten wie Frankfurt, Stuttgart oder Hamburg liegt ihr Anteil sogar bei nahezu 60 Prozent), spielen unsere Kinder immer noch in einer weißen Welt. Wie aber soll ein schwarzes Kind alle Möglichkeiten für sich sehen, wenn es in seiner Spielwelt nur weiße Erfolge gibt? Kinder brauchen Identitätsfiguren in ihren Büchern und Spielsachen. Fajembola und Nimindé-Dundadengar haben in ihrer Kindheit im Spielwarenladen die Erfahrung gemacht, „anders“ zu sein – diese Erfahrung wollten sie ihren Kinder ersparen und so kam es zur Gründung ihres Online-Shops tebalou.de.

Doch es ist immer noch nicht einfach, Produkte für den Shop zu finden. „Neulich war ich in einer großen Buchhandlung – nicht in irgendeiner Kleinstadt, sondern mitten in Hamburg. Nicht ein einziges ausgestelltes Buch in der Kinderabteilung zeigte ein schwarzes Kind“, erzählt Nimindé-Dundadengar. „Und selbst wenn, dann wird das Thema Vielfalt in Kinderbüchern häufig über Tiere behandelt“, erklärt Fajembola. „Da gibt es dann das Außenseiter-Tier, das ‚schwarze Schaf‘, das nicht so ist wie die anderen Tiere und sich erst beweisen muss, um anerkannt zu werden.“ Doch kein Kind sollte lernen, sich zunächst als Problem zu sehen. Vielmehr müssten alle Kinder sehr früh die Möglichkeit bekommen, Diversität als etwas völlig Natürliches und Positives zu erleben – auch mit dem Ziel eines guten gesellschaftlichen Zusammenhalts. Und dafür braucht es diverses Spielzeug.

Das Sortiment von tebalou.de umfasst Spielzeug wie Puppen und Spielfiguren, Bastel- und Malmaterialien und sehr viele Bücher. Vieles beziehen die Geschäftspartnerinnen aus dem Ausland. Aus Spanien, der Puppenherstellerhochburg Europas, kommen beispielsweise die Puppen, aus Großbritannien ein Großteil der englischsprachigen Bücher. Das handverlesene Angebot von tebalou.de wird fortlaufend ergänzt, sobald die Geschäftspartnerinnen auf neue Produkte stoßen, die zum Shop-Gedanken passen. „Eltern sind oft so dankbar, endlich ein Buch zu finden, in dem ihr Kind ein ähnliches Kind sieht, und auch von Erzieher*innen bekommen wir positives Feedback“, erzählt Tebbi Nimindé-Dundadengar, „Hautfarbenmalstifte zum Beispiel haben viele Erzieher*innen noch nie vorher gesehen.“ Deshalb richtet sich das Angebot auch an Institutionen wie Schulen und Kitas. Dabei geht es den Frauen aber nicht nur darum, passende Produkte für Kinder of Color anzubieten, sondern das Angebot für alle Kinder zu erweitern – damit alle Kinder Diversität im Spiel erleben und gar nicht erst unbewusst Rassismen und Diskriminierungen reproduziert werden. Für dieses Engagement gab es 2019 von der Bundesregierung den „Kultur- und Kreativpiloten-Preis“ für die beiden Gründerinnen von Tebalou.
Tebalou
 

Tags: Diversität , Gesellschaft , Spielzeug

Kategorien: Erziehung , Kultur