Erziehung

Spielerisch das Lesen lernen

David Fleschen · 14.08.2018

© Veranstalter

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Anita Friedrich ist eine von 400 ehrenamtlichen Lesementoren in Düsseldorf. Im Interview erzählt sie, wie sie Kinder fürs Lesen begeistert. Lesen können ist die Grundlage für ein erfolgreiches Leben. Der Verein Mentor e.V. kümmert sich deshalb darum, Kinder in ihrer Lesekompetenz gezielt zu unterstützen.

Frau Friedrich, Sie begleiten Kinder beim Lesen lernen als Mentorin. Wie kam es dazu?

Ich war schon immer sehr buchaffin. Der damalige Freund meiner Tochter, mein jetziger Schwiegersohn, hat mich auf die Idee gebracht als Mentorin etwas von meiner Leidenschaft weiterzugeben. Er war damals auch Mentor. Bücher sind ja gerade bei Kindern nicht mehr so in Mode. Ich denke aber, das geschriebene Wort ist nach wie vor der Schlüssel zu einem erfolgreichen Leben. Selbst um WhatsApp-Nachrichten zu schreiben, muss man schließlich lesen und schreiben können. Beruflich hat es gerade gepasst und so bin ich seit 2011 Lesementorin.

Was macht man als Mentorin?

In der Regel betreut man ein Kind jeweils in einer Schulstunde die Woche. In dieser Zeit liest man gemeinsam Texte. Das bedeutet aber nicht nur Vorlesen, sondern kann auch einfach der gemeinsame Austausch über einen Text sein. Wichtig ist sicherzustellen, dass die Kinder lernen,  das Gelesene auch zu verstehen. Und natürlich sollte das Kind vor allem angeregt werden, selbst Spaß am Lesen zu entwickeln.

Wie begeistern Sie die Kinder?

Wichtig ist es die Neugier der Kinder anzuregen. Bei den meisten Kindern merkt man förmlich, dass durch das Lesen „etwas in Gang gesetzt wird“.  Am besten funktioniert das, wenn man einen spielerischen Umgang mit dem Lesen entwickelt. Das klappt ganz besonders gut mit Lernspielen. Ein beliebtes Spiel ist zum Beispiel das Teekesselspiel, bei dem man Wörter mit mehreren Bedeutungen finden muss. Ganz besonders gerne spielen die Kinder auch immer das Spiel Stadt-Land-Fluss. Dabei wird dann ganz nebenbei das Gespür für den richtigen Anfangsbuchstaben geschult. Ebenso ist ein spannendes Buch, oder ein Buch das die Interessen des Kindes trifft von Bedeutung, um die Freude auf die nächste Mentorenstunde zu erhalten.

Lesen die Kinder, wenn Sie erstmal motiviert sind, gerne?

Ja, meine Erfahrung ist tatsächlich, dass die Kinder sich zu 99 % auf die wöchentliche Lesestunde freuen. Nach einer gewissen Anlaufzeit macht ihnen das Lesen einfach Spaß und es ist auch eine Bestätigung für ihre Persönlichkeit. Mein erstes Lesekind wollte zum Beispiel unbedingt, dass ich sie auch noch nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule besuche. Eigentlich endet das Mentorenprogramm nach der Grundschule. Ich habe dieses Kind dann tatsächlich bis zur achten Klasse begleitet, und mitbekommen, wie sie sich von einem eher lernschwachen Mädchen zu einer starken Persönlichkeit entwickelt hat, die am Ende der Schulzeit selbstbewusst eine Ausbildung in Angriff genommen hat. Ich denke, dieses Selbstbewusstsein hatte auch viel mit ihrer gewachsenen Lesekompetenz zu tun.

Welche soziale Funktion hat das Lesen grundsätzlich?

Lesen und sprachliches Ausdrucksvermögen ist die Grundlage von ganz vielen anderen Lernprozessen. Lesen regt die Fantasie an, stärkt das Selbstbewusstsein und ist der Schlüssel um komplexe  Gedanken kommunizieren zu können Das spielt nicht nur in der schulischen Laufbahn sondern auch später im Berufsleben eine gewaltige Rolle.

Wie viele Mentoren gibt es in Düsseldorf?

Wir sind in Düsseldorf circa 400 ehrenamtliche Mentorinnen und  Mentoren. Was uns besonders freut: Viele Firmen unterstützen uns, indem sie ihre Mitarbeiter für die Lesestunde von ihrer beruflichen Tätigkeit freistellen. Die Lesestunde ist somit nicht nur für die Kinder sondern häufig auch für die Mentoren eine inspirierende Abwechslung von ihrem Alltag. Neue Mentoren und auch Sponsoren sind übrigens immer herzlich willkommen

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