Gelassen erziehen

Smartphone im Straßenverkehr

Aus der Redaktion · 14.01.2021

© photophonie – AdobeStock

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Mal eben an der Ampel WhatsApp checken? Ein Online-Spiel sensibilisiert Kinder (und Eltern!) für die Gefahren des Handys im Straßenverkehr.

Mal schnell an der Ampel die WhatsApp-Nachrichten checken oder beim Überqueren der Straße noch eben das nächste Level ansteuern ... Kinder und Jugendliche lassen sich von Smartphones auch im Straßenverkehr ablenken. Was um sie herum geschieht, bekommen sie dann kaum noch mit. Dabei können Situationen, in denen die Realität ausgeblendet wird, vor allem im Straßenverkehr sehr gefährlich sein. Das kennen auch manche Eltern: Aus dem raschen Blick aufs Handy, weil die Ampel rot ist oder die Straßenbahn auf sich warten lässt, werden ungewollt lange Sekunden und Minuten, weil eine unvorhergesehene Nachricht eingetrudelt ist, – und rundum ist alles vergessen ...

Ablenkung ist häufige Unfallursache

„Kinder als Fußgänger verunfallen zu 88 Prozent beim Überqueren der Straße. Mehr als die Hälfte achtet dabei nicht auf den Verkehr“, weiß Andreas Kalbitz, Geschäftsführer der BAG „Mehr Sicherheit für Kinder“ e. V. Im Straßenverkehr und im öffentlichen Leben häufen sich gefährliche Situationen, die durch unachtsames Verhalten und besonders durch Ablenkung verursacht werden. Eine Befragung der BAG unter knapp 1000 Jugendlichen
kommt zu dem Ergebnis, dass das Thema Ablenkung durch Smartphone-Nutzung und die damit verbundenen Unfallrisiken nur unzureichend im Bewusstsein der 14-bis 18-Jährigen verankert sind. Dabei sind 40 Prozent der älteren Jugendlichen bereits mindestens einmal in eine brenzlige Situation geraten.

Eltern sind nicht immer Vorbild

Fast zwei Drittel der Befragten geben zudem an, dass ihre Eltern nicht immer als Vorbilder in punkto Smartphone-Nutzung taugen und das Thema auch selten zwischen Eltern und Kindern diskutiert wird. „Dabei ist es sehr wichtig,
dass Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild sind und Smartphones weder beim Autofahren, auf dem Rad noch in sonstigen Situationen des Straßenverkehrs benutzen, in denen ihre Aufmerksamkeit unverzichtbar ist“, sagt Kalbitz.

„Echt Jetzt?!“ spielt mit realer und digitaler Welt

Die BAG hat aus diesem Grund eine Initiative gegen echte Unfälle im digitalen Leben unter der Überschrift „Echt Jetzt?!“ initiiert und wird dabei vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.
Das Motto der Initiative ist bewusst mehrdeutig. Als Frage motiviert es dazu, riskantes Verhalten zu hinterfragen. Musst du „echt jetzt“ das Smartphone in die Hand nehmen, während du mit dem Fahrrad durch die Stadt radelst? Als Aussage mit Ausrufezeichen weist das Motto darauf hin, dass wir im Hier und Jetzt, also im echten Leben sind und diesem unsere volle Aufmerksamkeit schenken sollten.

„Go real game“ auf Instagram

Um Jugendliche für eine bewusstere Nutzung ihres Smartphones zu sensibilisieren, versucht die Initiative sie dort zu erreichen und einzubinden, wo sie sich häufig aufhalten und lebendig beteiligen: in Social-Media-Kanälen. Das geschieht mithilfe der Online-Spiels „Go Real Game“, das auf Instagram läuft. Darin wird die Geschichte über das Insta-Girl Leyla und den Gamer Nick erzählt. Die beiden 13-jährigen Protagonisten sind ständig vom Smartphone
abgelenkt und entgehen nur knapp einem Unfall. Daraufhin werden sie verpixelt dargestellt. Um wieder in das wirkliche Leben zurückzufinden, müssen sie das „Go Real Game“ spielen und die Unterstützung der Community
gewinnen.

Online-Welt mit Realität verknüpft

Das Spiel verknüpft die Realität mit der Online-Welt und lenkt den Fokus so auf die Gefahren durch unachtsame Smartphone-Nutzung. Das geschieht nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Hinweisen und Ratschlägen, die sich in diesem Mitmach-Spiel gespickt mit humoristischen und ernsten Inhalten ergeben. So kommen zum Beispiel Challenges vor, Memes als Spaßfaktor und verschiedene Postingtypen. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Spiel von der Kernzielgruppe der 13- bis 14-Jährigen gut angenommen wird. Die Anzahl der Follower steigt kontinuierlich und die Community zeigt sich sehr interaktionsfreudig.

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr – ohne Smartphone

„Go Real Game“
Ab circa 13 Jahren

Elterninformation über echte Unfälle im digitalen Leben

Ergebnisse der Jugendumfrage „Unfallrisiken durch Smartphone-Nutzung im öffentlichen Raum und im Straßenverkehr“

Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Mehr Sicherheit für Kinder“ e. V.
Telefon 0228.68 83 40, Christian-Lassen-Str. 11 a, 53117 Bonn

Mehr Infos und Texte der Libelle rund um das Thema „Digitale Familie“ findest du hier.

Tags: Digitale Familie , Online-Spiel , Smartphone , Verkehrssicherheit

Kategorien: Gelassen erziehen , Gesunde Familie