Erziehung

Riesenparty für den Tiger

Jule Leger · 30.08.2018

© Rawpixel - istock

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Keep cool – ein Kindergeburtstag muss nicht zwangsläufig zum stressigsten Tag im ganzen Jahr werden! Wir verraten, wie ihr ganz locker eine tolle Party hinbekommt!

Und eines ist sicher: wie sehr man sich auch bemüht – perfekt wird so eine Feier niemals ablaufen und einen Orden bekommt man später auch nicht verliehen. Also: schön lässig bleiben. Wir verraten ein paar Tricks und Kniffe, mit denen die Party vielleicht nicht perfekt, aber garantiert stressfrei wird.

Eine fetzige Sause, fidelen Budenzauber, eine Party mit ganz viel Rabatz – das wünscht sich Janoschs kleiner Tiger vom kleinen Bären, denn er hat nun einmal Geburtstag. Und der Bär folgt wie stets den Forderungen des kleinen Tigers und wurschtelt sich kräftig einen ab. Er zaubert die köstlichsten Gerichte, organisiert feine Getränke, lädt unendlich viele Gäste ein und bespaßt sie alle miteinander. Abends, als der kleine Tiger sich bedanken will und schon von der nächsten Geburtstagsparty schwärmt, schläft der kleine Bär schon lange und brummt nur: „Da bin ich hochbegeistert…“

Bloß keinen Druck

Na, an was erinnert uns Eltern diese kleine Story? Unweigerlich an die vielen großartigen Kindergeburtstage die wir schon gerockt haben und all jene, die uns noch bevorstehen…  Denn schon recht früh erkennen die lieben Kleinen, dass das IHR Tag ist und sie scheinen schier Unmögliches zu erwarten.  Und wäre dieser Druck von Seiten der Kinder nicht schon groß genug, kommt eben auch noch jener hinzu, den das Umfeld so auf einen ausübt. Emma feierte auf dem Bauernhof, Lilli in der Backstube und Theo hatte die perfekt durchgeplante Piratenparty inklusive aufgeklebten Schnauzbärten, aufblasbaren Schwertern und goldenen Münzen in den Mitgebseltütchen. Überbieten? No way! Auch wenn es im Freundeskreis anscheinend nur noch darum geht, wer den tollsten, ausgefallensten und teuersten Kindergeburtstag veranstaltet – da muss niemand mitmachen. Man sollte immer bei den eigenen Mitteln und innerhalb des eigenen Budgets bleiben, sonst vergeht einem ganz fix die Feierlaune.

Vorfreude ist die schönste Freude

Für viele von uns ist schon die Vorbereitung der pure Stress, doch wieso eigentlich? Denn wir haben ja schon Hilfe im Haus.  Wie? Was? Ja, klar das Geburtstagskind kann doch schon mithelfen. Immerhin ist es ja sein Geburtstag, also kann es ruhig miteinbezogen werden in die Planung. Dem Kind macht all die Vorbereitung, das Deko schnippeln, Tütchen packen und Muffins verzieren tatsächlich richtig viel Spaß. Da kribbelt es so richtig im Bauch vor lauter Vorfreude. Und wer will schon eine fertige Party serviert bekommen? Ganz nebenbei erlernen die Kinder, was es bedeutet, so eine Party auf die Beine zu stellen und wissen das Ergebnis dann später umso mehr zu schätzen.

Hilfe!

Und das Stichwort Hilfe suchen ist auch für die eigentliche Feier eine gute Idee. Die Oma, die Tante, jemand, der schon Kindergeburtstage organisiert hat – ein Stab von drei bis fünf Leuten ist ideal, um die Party zu schmeißen. Denn während man selbst zwischen Gute-Laune-Clown, Animateur und Krankenschwester hin- und herschwankt, schiebt der Onkel die Pommes in den Ofen, die Oma hilft dem Anton beim Pipi machen und der Papa macht ein paar Erinnerungsfotos. Wer so einen Kindergeburtstag schon einmal erlebt hat: Es werden viiiele Hände gebraucht. Kein Wunder, dass Janoschs kleiner Bär am Ende so fix und alle ist – schließlich hat er die Party vom Tiger ganz alleine gewuppt. So viel Wahrheit in so einem kleinen Kinderbuch. Und wie ein gutes Buch so sollte auch ein Kindergeburtstag sein. Erst kommt die Einführungsphase, zum Beispiel Kaffee und Kuchen, gemeinsames Geschenke auspacken oder ein ruhiges Kennenlernspiel. Dann die Spielephase mit einem Höhepunkt (Schatzsuche?). Am Ende sollte eine Beruhigungphase eingeplant sein (ideal hierfür das Abendessen), damit die Kinder „runterfahren“ können, bevor sie abgeholt werden.

Plan B

Auch wenn eine gewisse Grundstruktur absolut hilfreich und sinnvoll ist, so muss man eines wissen: Pläne sind dazu da, um über den Haufen geworfen zu werden. Nichts demonstriert einem diese Weisheit besser, als ein Kindergeburtstag. Man hat sich solche Arbeit gemacht, Bücher gewälzt, Spiele recherchiert. Einen Masterplan schriftlich fixiert, jawoll. Und dann? Möchten die Kinder am liebsten im Kinderzimmer Lego spielen. Oder: Die ganze Geburtstagsgesellschaft spielt fröhlich Topfschlagen, nur Lilli brüllt: „Das Spiel ist dohooooof!“ Solche und ähnliche Szenarien sollte man im Kopf einmal durchgespielt und sich einen Plan B zurechtgelegt haben, sonst packt einen leicht die Panik.

Rhythmusgefühl

Als es beim kleinen Tiger ein bisschen zu doll wird, die ganze Bude voll mit Wasser gelaufen ist und die Gäste das reinste Chaos verbreiten, kommt zum Glück der vertrödelte Ziegenbock (mit acht Stunden Verspätung) zur Party, macht die Tür auf und die ganze Partygesellschaft wird in einem riesigen Bach hinausgeschwemmt und jeder schwimmt zufrieden nach Hause. Der Ziegenbock bereitet der Party ein jähes Ende. Damit wir als Eltern das nicht machen müssen und weil wir das ja auch nicht können (einfach die Gäste rausschmeißen, wenn es zu viel wird), sollten wir uns zuvor sorgfältig unser Kind und dessen Rhythmus betrachten. Ist es schon an normalen Tagen um halb sieben hundemüde, wird das gerade an dem so aufregenden Geburtstag erst recht der Fall sein. Also keine Feier bis abends um sieben planen. Und ganz egal, wie toll alles lief, wie viel Hilfe wir hatten und wie glücklich und zufrieden unser Kind nach so einer Feier in den Federn schlummert, eines verspreche ich euch: bei dem Gedanken an die nächste Kindergeburtstagsparty werdet ihr es  in diesem Moment (nach dem ihr alles Geschirr in die Spülmaschine gestopft habt, das Geschenkpapier in die Papiertonne geknüllt habt, kurz durchgekehrt und mit dem Partner nochmal alle Highlights und Pannen und unmöglichen Gäste durchgesprochen habt und  in dem ihr zum ersten Mal an diesem Tag auf die Couch sinkt), da werdet ihr es mit dem  kleinen Bären halten und seufzen: „Da bin ich aber hochbegeistert…“

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