Erziehung

Projekthelden gegen Gewalt

Aus der Redaktion · 27.01.2021

© Adem Gül / Interkulturelle Projekthelden

© Adem Gül / Interkulturelle Projekthelden

Der Verein „ Interkulturelle Projekthelden“ startet ein Präventionsprojekt gegen sexualisierte Gewalt. Jugendliche entwickeln selbst die Inhalte.

Libelle: Wo setzt das Projekt an?

Umut Ali Öksüz: Das Projekt ist ein Sonderprogramm und unterstützt Fördermaßnahmen zur Unterstützung von Prävention und Nachsorge sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Dieses Projekt wird vom Paritätischen Jugendwerk NRW gefördert, bei dem unser Kinder- und Jugendhilfeträger Interkulturelle Projekthelden e. V. auch Mitglied ist. Wir möchten mit diesem Projekt Jugendliche sensibilisieren und sie dabei stärken, offener, selbstbewusster und reflektierter mit der sexualisierten Gewalt umzugehen, die in Zeiten der Medien unvermeidbar sowie unüberschaubar ist.

Welche Ziele setzen Sie sich?

Umut Ali Öksüz: Fachkräfte und Eltern sind oft überfordert, da eine Balance zwischen Tabuisierung und Aufklärung für viele Multiplikatoren eine große Herausforderung stellt. Dabei soll unter anderem ein Film entstehen und ein Kalender, der sich mit den zwölf gängigsten Jugendworten beschäftigt, die in der Praxis oft genutzt werden und einen sexistischen Background haben. Hierbei ist es besonders interessant, was Jugendliche bei solchen Wörtern denken und interpretieren und was diese Wörter im Eigentlichen aussagen. Denn sexualisierte Gewalt entsteht schon in Gedanken und Äußerungen.

Wie ist die Idee entstanden?

Umut Ali Öksüz: Wir haben bereits in der Vergangenheit gemeinsam mit dem Paritätischen Jugendwerk NRW, dem Kinderschutzbund Neuss und dem Jugendzentrum InKult ein starkes Projekt zu den Kinderrechten umgesetzt. Bei diesem Projekt wurde bei den Reflektionen mit den Kindern deutlich, dass Gewalt oft im Rahmen der sexualisierten Gewalt entsteht. Diesen Impuls haben wir gemeinsam mit unserem Jugendvorstand besprochen, um ein passendes Angebot ins Leben zu rufen. Das Paritätische Jugendwerk NRW hatte das passende Projekt dazu.

Wie enttabuisieren Sie und die anderen Trainer das Thema?

Umut Ali Öksüz: Das Wichtigste in dieser Thematik ist es, dass wir ganz offen und transparent damit umgehen müssen. Eine unsichere und indirekte Kommunikation kann Jugendliche bei einem solchen Thema stark ins Schwanken bringen und kontraproduktiv im Rahmen der Aufklärungsarbeit sein. Die Erfahrungen zeigen, dass Jugendliche dankbar sind, dass man mit ihnen offen und direkt spricht und einen Raum für Reflektionen bietet. Eltern und Fachkräften muss klar sein, dass Kinder und Jugendliche ohnehin in Zeiten der Digitalisierung an alle Informationen kommen, über die oft nicht gesprochen wird. Dazu gehören vor allem pornografische und sexualisierte Äußerungen oder Medien.

Wer kann daran teilnehmen?

Umut Ali Öksüz: An dem Projekt können alle Jugendlichen ab 14 Jahren teilnehmen. Anders als bei anderen Projekten klären wir Eltern hierbei zuerst auf, mit welchen Inhalten dieses Projekt sich beschäftigt, um Missverständnisse zu vermeiden. Das Thema ist für alle Gruppen sensibel und braucht unterstützende Zugänge. Da wir in diesen Kontexten schon einige Projekte umgesetzt haben, ist der beste Zugang, dass man mit der Zielgruppe gemeinsam die Inhalte vorbereitet und sie direkt angeht. Vor allem durch die Unterstützung der Jugendlichen konnten wir bestimmte Inhalte didaktisch, methodisch und effizient umsetzen und mit den Zielgruppen in einen interaktiven Austausch treten.

Inwieweit bremst die Coronapandemie das Projekt aus?

Umut Ali Öksüz: Das Projekt wurde durch Corona in zwei Phasen eingeteilt. Wir hatten im Vorfeld in kleinen Gruppen Workshops organisiert und werden nun mit den Jugendlichen weiterhin im digitalen Austausch bleiben. Bei den Workshops wurden vor allem Umfragen gestellt und Informationen zu der Thematik gesammelt, die nun mit den Jugendlichen diskutiert werden müssen. Durch das starke Netzwerk im Jugendzentrum InKult sind viele Jugendliche weiterhin im interaktiven Austausch mit den Betreuern. Ohne den Kontakt zu den Jugendlichen wäre so ein Projekt nicht möglich. Daher freuen wir uns besonders, wenn in den nächsten Wochen weitere Jugendliche bei diesem Projekt mitwirken.

Vielen Dank und alles Gute für das Projekt!

 

Im Gespräch

Umut Ali Öksüz, Vorstandsvorsitzender der Interkulturellen Projekthelden Neuss e. V.

Berghäuschensweg 30, 41464 Neuss, Telefon 02131.533 89 72, E-Mail: info@i-projekthelden.de

Das Projekt „Prävention sexualisierter Gewalt“

Ab 14 Jahren

Workshops zu sexualisierten Äußerungen und Medien und deren Wirkung. Es soll unter anderem ein Film und ein Kalender dazu entwickelt werden. www.i-projekthelden.de

Tags: Interkulturelle Projekthelden e. V. , Prävention , sexualisierte Gewalt

Kategorien: Freizeit , Erziehung