Erziehung

Online-Mobbing: Hier gibt's Hilfe!

Nadine Lente · 12.04.2018

© Internet ABC

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Hass und Mobbing im Internet – ein Thema auch schon im Grundschulalter? Helen Shaw, Projektleiterin vom  Internet ABC, gibt Hilfestellung im Interview.

Hate Speech, Cyber Mobbing – was ist das eigentlich?

Bei beidem geht es um herabwürdigende Inhalte im Internet, überall dort, wo man chatten, posten oder kommentieren, insgesamt online kommunizieren und Inhalte verbreiten kann. Der große Unterschied ist: Bei Cybermobbing geht es darum, eine bestimmte bzw. einzelne Person über einen langen Zeitraum fertigzumachen. Bei Hate Speech geht es darum, ganze gesellschaftliche Gruppen herabzuwürdigen, auch wenn im konkreten Fall ein einzelne Person die Zielscheibe ist. Die Motive können zum Beispiel fremdenfeindlich, religiös oder sexistisch sein. Falschmeldungen, Fake News, spielen dabei oft eine große Rolle.

In welchem Alter sollte man Kinder auf diese Themen vorbereiten?

Natürlich hängt das immer vom einzelnen Entwicklungsstand des Kindes ab. Da wir aus Erfahrung in unserer Arbeit aber wissen, dass eine solche Art von Mobbing schon unter Grundschülern vorkommt, empfehlen wir dieses Alter. Hier geht es nicht darum, den Kindern Angst zu machen, sondern sie für solche Situationen zu sensibilisieren. Viele Kinder nutzen in der Grundschule bereits WhatsApp Gruppen untereinander. Uns ist ein Fall bekannt, wo tatsächlich schon in diesem Alter Nacktfotos verbreitet wurden, um jemand runterzumachen. Man sollte Kinder vorbeugend auf die Themen vorbereiten, damit sie im Fall der Fälle schon wissen, wie sie reagieren können und die Kommentare/Nachrichten/Meldungen o.Ä. besser einschätzen können. Oft verstehen die Kinder auch nicht, wie schlimm Mobbing für den Betroffenen ist, sie können sich nicht so gut in die Situation hineinversetzten und verstehen welche Folgen Mobbing für Opfer und Täter haben kann.

Wie können Eltern dies denn tun?

Auch Grundschulkindern kann man schon vermitteln, dass nicht alles stimmt, was im Netz steht, dass bewusst Lügen oder Falschmeldungen verbreitet werden. Auch im Internet gelten Regeln und so wie face-to-face-Regeln für die Kommunikation und Gespräche eingehalten werde müssen, müssen auch im Netz Regeln beachtet werden. Hier kann man nur schwerer kontrollieren, da es so viele Inhalte und Infos gibt - teils auch anonym. Aber gerade deshalb sollte man Kindern vermitteln: Nicht wegschauen, geht auf Erwachsene zu und holt euch Hilfe, wenn ihr etwas Seltsames seht oder lest. Empathie ist wichtig: Kindern klarmachen, wie sich ein Opfer fühlen muss. Online ist die Hemmschwelle zum Mobben nämlich tatsächlich dadurch niedriger, dass man das Leid des Opfers gar nicht direkt sehen kann. 

Was ist zu tun, wenn das eigene Kind betroffen ist, als Opfer oder Täter?

So distanziert sich das anhört, so wichtig ist es aber auch: Beweismaterial sichern. Screenshots machen. Nur so hat man etwas in der Hand, über das man reden kann. Im Härtefall kann man auch Dienstleister wie Whatsapp, Youtube usw. kontaktieren, die Nachrichten und Kommentare oder sogar den betroffenen Account löschen. Auch Lehrer und Polizei können helfen. Das Schlimme am Cybermobbing ist, dass es keine Pause gibt: Gemobbt kann zu jeder Tages- und Nachtzeit werden. Ist das Kind Opfer, ist es wichtig, ihm zu vermitteln, dass seine wahren Freunde sich nicht von ihm abwenden werden. Gerade beim anonymen Cybermobbing haben die Kinder oft Angst, dass unter den Mobbern auch Freunde sind. Meist haben betroffene Kinder große Scham- und Angstgefühle. Deshalb ist schon einmal eine große Hürde geschafft, wenn das Kind mit seinem Problem auf die Eltern zukommt und ihm klar ist, dass es nicht allein dasteht. Ist das Kind Täter, sollte man erstmal genau hinschauen, ist es 'nur' Mitläufer, handelt vielleicht selbst aus Angst, gemobbt zu werden oder Initiator? Meist gibt es nur eine Steuerungsperson und viele 'Mitläufer'. Auch wenn es schwierig ist gilt wie immer als Eltern: Einen kühlen Kopf bewahren. Wenn man allein nicht weiterkommt: Hilfe und Infos einholen. Gerne auch von uns.  

Was genau macht Ihr Verein, das Internet ABC?

Das Internet-ABC ist ein spielerisches und sicheres Angebot für den Einstieg ins Internet. Als Ratgeber im Netz bietet es konkrete Hilfestellung und Informationen über den verantwortungsvollen Umgang mit dem World Wide Web. Die werbefreie Plattform richtet sich mit Erklärungen, Tipps und Tricks an Kinder von fünf bis zwölf Jahren, Eltern und Pädagogen. Hinter dem Projekt steht der gemeinnützige Verein Internet-ABC, dem alle Landesmedienanstalten Deutschlands angehören. Zentrales Ziel der Vereinsarbeit ist es, Kinder und Erwachsene beim Erwerb und der Vermittlung von Internetkompetenz zu unterstützen. Die redaktionelle Leitung obliegt dem Grimme-Institut in Marl.

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