Erziehung

Nicht schlagen!

Anke Strotmann · 05.08.2019

© Silivia Brandt

© Silivia Brandt

Früher waren Ohrfeigen und Klapse in der Erziehung üblich. Heute sind sie ganz zu Recht verboten und deuten auf Überforderung der Eltern hin.

Um das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung und Privatspähre geht es diesen Monat beim von der Libelle und dem Kinderschutzbund initiierten Kinderrechtejahr in Düsseldorf.

Die Situation hatte sich hochgeschaukelt. Frank, der Vater von Anna, hatte die Faxen dicke. Drei Mal hatte er gesagt, dass er jetzt nach Hause wolle. Erst noch geduldig und verständnisvoll, dann etwas drängender und lauter. Schließlich war die Situation eskaliert: Die Vierjährige stampfte und schrie, sie wolle noch auf dem Spielplatz bleiben. Frank war genervt, er hatte keinen Bock mehr auf das Theater. Er riss Anna recht unsanft am Arm und sagte: „Du kommst jetzt.“

Entscheidung gegen Gewalt
Seien wir ehrlich – welcher Vater, welche Mutter kann diese Situation nicht zumindest nachvollziehen oder hatte selbst schon das schlechte Gewissen, ein Kind zumindest ansatzweise gewaltsam herumgeschubst zu haben? Das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung wurde erst im Jahr 2000 in Deutschland gesetzlich festgeschrieben. „Die Frage ist, wie man Kinder ohne Gewalt erzieht. Das ist leicht gesagt, aber nicht leicht getan“, stellt Bettina Erlbruch, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Düsseldorf fest. „In Stresssituationen greift man schnell auf alte Muster zurück. Da ist schnell mal losgeschrien oder eingesperrt oder es gibt einen Klaps auf den Hintern“, sagt Erlbruch. Es sei denn, man reflektiert das, wird sich dessen bewusst und entscheidet dagegen, so zu erziehen.

Bei der gewaltfreien Erziehung können zum Beispiel das Jugendamt, der Kinderschutzbund, die Kinderschutzambulanz am EVK, die Erziehungsberatungsstellen und die Familienbildungswerke unterstützen. Aber auch das Recht auf Privatsphäre wird täglich in Schulen und Kinderzimmern verletzt. „Es gibt doch die kleinen Briefchen, die in der Schule rumgehen. Der Lehrer nimmt ihn und liest ihn in aller Öffentlichkeit vor“, beschreibt Erlbruch eine typische Situation. Das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung und Privatsphäre ist für viele Kinder nicht selbstverständlich, und viele Kinder wünschen sich mehr Privatsphäre.

Nicht selbstverständlich
Neugierig geworden? Kinderrechte sind auch bei uns nicht immer selbstverständlich, und gerade das Recht auf Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung ist in den westlichen Gesellschaften in Bezug auf die Kinder häufig in Gefahr, wenn Eltern Tagebücher der Kinder lesen, ständig ohne anzuklopfen das Kinderzimmer betreten oder ihnen im Streit gar mal die Hand ausrutscht. Anlässlich des 30. Jubiläums der UN-Kinderrechtskonvention hat die Libelle gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Düsseldorf das Kinderrechtejahr 2019 ausgerufen und viele, viele Partner, Institutionen, Einrichtungen und Ämter mit ins Boot geholt. Alle zusammen möchten sie im Lauf des Jahres alle Kinder und Erwachsenen in Düsseldorf für die Kinderrechte sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, wo und wie wir diese Rechte auch hier bei uns noch besser umsetzen können. In der Libelle-Serie zu den zehn Kinderrechten geht es in der Augustausgabe um das Kinderrecht auf gewaltfreie Erziehung und Privatsphäre.

Kinderrechtejahr 2019

Kinderrecht des Monats August: Privatsphäre und gewaltfreie Erziehung

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Tags: gewaltfreie Erziehung , Kinderrecht des Monats , Kinderrechtskonvention , Privatsphäre

Kategorien: Erziehung