Erziehung

Kinder für den Verkehr sensibilisieren

David Fleschen · 17.09.2018

© privat

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Die Polizistinnen Norma Fleiß, Janett Louis und Sonja Martin machen Vorschulkinder im Club der Ampleindianer auf spielerische Weise fit für den Verkehr.

Was ist der Club der Ampelindianer?

Wir sind ein Projekt der Verkehrswacht Düsseldorf und der Polizei Düsseldorf, welches zum Ziel hat, Vorschulkinder als Fußgänger fit für den Straßenverkehr zu machen. Dabei setzen wir sowohl auf den spielerischen Lernwillen der Kinder wie auch auf das Engagement der Eltern und Kitas. Denn: Eltern (Erwachsene) sind immer die größten Vorbilder für die Kinder.

Wie kam es zu der Gründung des Clubs?

Angefangen hat es mit dem Verkehrspuppenspiel der Polizei, wo die Kinder mit vielen kindgerechten Figuren wie z.B. „Kommissar Pferdi“ für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Dieses Puppenspiel ist immer noch das Herzstück des Clubs. Inzwischen ist daraus aber noch viel mehr geworden: Wir haben eine eigene Webseite, ein Trainingsheft, ein Hörspiel, einen Preis, mit dem wir die Kita des Jahres auszeichnen. Das Ganze ist ein dreistufiges Programm im letzten Kita-Jahr. Inzwischen erhalten wir übrigens immer wieder Anfragen aus anderen Städten, die das Konzept gerne adaptieren möchten.

Aus welchen drei Teilen besteht Ihre Verkehrserziehung?

Im Herbst gehen wir in die Kitas und sensibilisieren Eltern und Kinder für das Thema. Von Januar bis März führen wir dann unser Puppenspiel durch. Im Frühjahr können die Kinder dann ihren „Fußgängerführerschein“ machen. Die Kinder werden so Mitglieder im „Club der Ampelindianer“ und die Eltern kriegen ein Feedback über das Können ihrer Kinder. Im Idealfall erhalten sie einen grünen „Fußgängerführerschein“, der den Eltern signalisiert: Mein Kind kann sich schon sehr gut auf den Straßenverkehr konzentrieren.

Wie sensibilisieren Eltern in der Praxis?

Für die Eltern ist es vor allem wichtig, Vorbilder zu sein, und auch ihre Kinder richtig einschätzen zu können. Wir machen zum Beispiel Übungen, in denen die Eltern zwischen zwei parkenden Autos in die Hocke gehen, und so ein Gespür für die Perspektive der Kinder bekommen. Auch Rollenspiele sind ein wichtiger Bestandteil: Gerade bei Vätern beobachten wir häufig eine Angst davor, ihre Kinder alleine über die Straße gehen zu lassen. In diesem Fall tauschen wir die Rollen: Die kleine Tochter ist dann die Muetter, Vater wiederum schlüpft in die Rolle des Kindes. So gehen beide immer noch Hand in Hand über die Straße, doch sie lernen gegenseitiges Vertrauen und Verständnis zu entwickeln, wobei die Entscheidung beim Kind liegt.

Und wie sensibilisieren Sie die Kinder

Bei den Kindern ist natürlich ein spielerischer Zugang sehr wichtig. Kinder handeln spontan und unberechenbar. Das heißt: Man muss einen kindgerechten Weg finden, damit die Kinder bestimmte Verhaltensweisen wirklich verinnerlichen. Dabei hilft dann eine Figur wie „Pferdi“: Das Pferd in Polizeiuniform hat in unserem Puppenstück eine zentrale Rolle, und interagiert direkt mit den Kindern. Sehr beliebt sind auch unsere Zaubersprüche. Zum Beispiel: „Am Bordstein ist Halt, damit es da nicht knallt.“ Wenn man einmal gehört hat, mit welcher Begeisterung die Kinder bei unserer Aufführung das „Lied der Ampelindianer singen“ kriegt mit, wie sehr wir die Kinder damit erreichen. 

Sie sind eigentlich „echte“ Polizistinnen?

Natürlich, wir sind alle drei ausgebildete Polizistinnen und haben langjährige Erfahrungen im Streifendienst. Die Verkehrserziehung für Vorschulkinder ist nur ein Projekt von vielen, welche wir als Fachabteilung „Verkehrsunfallprävention/Opferschutz“ im Polizeipräsidium Düsseldorf durchführen.

Wie reagieren die Kinder, wenn Sie in Uniform in die Kitas gehen?

Die meisten Kinder freuen sich sehr, wenn wir dort auftauchen. Nur vereinzelte Kinder sind misstrauisch. Zum Beispiel Flüchtlingskinder, die in ihrer Heimat vielleicht nicht so gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben. Deshalb finden wir ganz wichtig, den Kindern zu zeigen: Ihr könnt der Polizei vertrauen. Auf Streife haben wir sehr oft gehört, wie Eltern zu ihren Kindern sagen: „Schau mal, die Polizei nimmt dich gleich mit, wenn du dich nicht benimmst“. So ein Satz ist natürlich sehr kontraproduktiv, nicht nur weil er den Kindern Angst macht, sondern auch, weil er ein völlig falsches Bild von der Polizei vermittelt.

Wie viele Kinder erreichen Sie mit Ihren Aktionen?

In Düsseldorf gibt es mittlerweile etwa 400 Kitas. Etwa 120 davon können wir im Rahmen unserer Verkehrsschulung pro Kita-Jahr besuchen. Zu unserem Theaterstück kommen dann tatsächlich alle Düsseldorfer Einrichtungen mit über 5.500 Vorschulkindern. In diesem Zusammenhang gilt ein ganz besonderer Dank der Rheinbahn, die für alle Kitas den kostenlosen Hin- und Rückweg ermöglichen.

Der erste Schultag ist da. Wie sollten Eltern Kinder auf den Schulweg vorbereiten?

Das wichtigste ist: Den Schulweg nicht erst am ersten Schultag abgehen. Gute Verkehrserziehung braucht Zeit und die Aufmerksamkeit der Eltern. Was wir außerdem merken: Je mehr die Kinder zur Selbständigkeit erzogen werden, umso souveräner bewegen sie sich im Verkehr. Das bedeutet vor allem, nicht jeden Weg mit dem Auto zurückzulegen, sondern viel zu Fuß zu gehen und mit dem Rad zu fahren. Und natürlich: Die Aufmerksamkeit der Kinder im Alltag immer wieder zu schulen und anzusprechen. Oder um es in der Sprache der Ampelindianer zu sagen: Ein Ampelindianer ist nur so stark und fit wie seine Häuptlinge (die Eltern).

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