Gelassen erziehen

„Digitale Familie“: Segen oder Fluch?

Aus der Redaktion · 18.02.2021

© samuel – AdobeStock

© samuel – AdobeStock

Libelle-Serie „Digitale Familie“: Eine Mutter und eine Großmutter, beide auch Pädagoginnen, machen sich Gedanken zum Thema „Kinder am Netz“.

Keine Frage, die Coronazeit hat unser Leben deutlich digitalisiert – und das betrifft vor allem auch die Kinder im Homeschooling und im Treffen der Freunde auf Distanz. Auf der einen Seite wird seit Jahren mehr Digitalisierung gefordert, auf der anderen Seite wird uns ganz schwindelig, wenn wir über die aktuellen Bildschirmzeiten unserer Kinder nachdenken. Im Rahmen der Libelle-Serie „Digitale Familie“ haben wir Eltern zu ihren Erfahrungen mit Kindern, die online lernen, chillen und ihre Kontakte pflegen, befragt.

Über den Neusser Verein „Interkulturelle Projekthelden“ und dessen Vorsitzenden Umut Ali Öksüz teilen zwei Pädagoginnen, eine Mutter und eine Großmutter, die ihren Enkel*innen beim Homeschooling hilft, ihre Gedanken mit uns.

Das sagt die Großmutter, die Pädagogin ist und ihre Enkel*innen beim Distanzlernen unterstützt:

Libelle: Kinder erleben eine digitale Welt, in der auch für Eltern und Großeltern viel neu ist. Was bedeutet das?

Betroffene Großmutter: Es ist sicherlich die Fokussierung auf eine andere Form des Lernens, die plötzlich die Selbstständigkeit, auch im Umgang mit digitalen Medien, verlangt. Die Welt, die für die Kinder sicherlich viel klarer ist, ist für uns Erwachsene mit einem Umdenken verbunden. Gerade die Generation der Großeltern ist mit dieser Thematik nicht aufgewachsen und muss sich zuerst einmal mit den Medien vertraut machen.

Wie begleiten Eltern Kinder sinnvoll?

Indem sie auch auf die Gefahren hinweisen, diese Welt kritisch hinterfragen und den Fokus auf das Medium als Hilfe zum Erarbeiten setzen. Es muss ein kritischer Umgang mit zeitlichen Vorgaben geübt werden, wobei auch hier eine Kontrollfunktion bei jüngeren Kindern unbedingt erwartet werden muss.

Wie wirkt sich die Coronazeit aus?

Die Coronazeit setzt durch das Homeschooling ganz andere Prioritäten, denn der Umgang mit Medien gehört nun zum Alltag, ob für Kinder oder Erwachsene, wobei die sozialen Strukturen der Familien unbedingt den Vorrang haben müssen. Also sollten klare Absprachen für Gemeinsamkeiten wie Essen und Spiele getroffen werden.

Verändert die Coronazeit die Akzeptanz des Digitalen in Familien?

Natürlich, da durch das andere Lernen die digitalen Medien in den Vordergrund rücken. Sie sind somit unersetzlich geworden, um am Unterricht teilnehmen und den Unterrichtsstoff verarbeiten zu können.

Lehrkräfte an weiterführenden Schulen fordern Eltern auf, die Chatverläufe der Kinder zu kontrollieren. Finden Sie das richtig?

Das hängt sicherlich auch vom Alter des Kindes ab, wobei ich ein gemeinsames „Prüfen“ besser finden würde, das dem Kind zeigt, wie wichtig ein kritischer Umgang ist, aber es nicht in seiner Verantwortung bremst.

Wo sind die Grenzen des Lernens, Erlebens und sozialen Miteinanders über digitale Kanäle?

Ich finde, dass die sozialen Kompetenzen, die für die Entwicklung der Kinder so wichtig sind, nicht genug Beachtung finden. Es ist die direkte Reflexion mit Gestik und Mimik, die gerade den jüngeren Kinder so viel vermitteln kann. Es ist die Teamfähigkeit, geübt in Partner- und Gruppenarbeiten, die als Vorbereitung für die spätere Berufswelt unerlässlich ist.

Wird sich das digitale Leben von Kindern und Jugendlichen nach der Pandemie so fortsetzen?

Nein, da Kinder und Jugendliche sich nach dem Miteinander sehnen. Sie brauchen die sozialen Kontakte und vermissen diese. Sie werden zur bisherigen „Normalität“ zurückfinden und es im bekannten Rahmen belassen. Sie vermissen den Präsenzunterricht sehr, das Treffen, den Austausch, die sozialen Kontakte und das Leben außerhalb der Medien.

Vielen Dank!

Auf der nächsten Seite beantwortet eine Mutter die Fragen zur „Digitalen Familie“.

Tags: Digitale Familie , Interkulturelle Projekthelden , Safer Internet Day

Kategorien: Gelassen erziehen , Gesunde Familie