Gelassen erziehen

Eltern sind Vorbilder

Juliane Faller · 07.09.2020

© Bro Vector – AdobeStock

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Wenn wir möchten, dass unsere Kinder vernünftig mit Tablet, Smartphone und Computer umgehen, hilft vor allem eins: Vorbild zu sein und die eigenen Onlinezeiten zu hinterfragen!

Der Alltag ist voll von Situationen, in denen Familie digital wird: So kann die Mama, die auf der Parkbank sitzend das schlafende Kind im Kinderwagen sanft vor- und zurückschiebt, mal eben Neuigkeiten mit den Freundinnen austauschen. Am Kochtopf stehend, wirft sie noch einen schnellen Blick auf die Zutatenliste des Online-Rezepts. Und abends sucht sie für sich und das Kind einen schönen Musikkurs oder eine Vorstellung im Puppentheater heraus ... Digitale Helfer können uns das Leben in der Familie und den Alltag um einiges erleichtern. Allerdings sollte dennoch darauf geachtet werden, dass sie keinen zu großen Raum einnehmen und altersgerecht eingesetzt werden.

Eltern als Vorbild

Besonders wichtig ist, dass Eltern sich in diesem Zusammenhang ihrer Vorbildfunktion bewusst sind. Denn wenn die Eltern den halben Tag am Handy zubringen, wird es schwierig, den Kindern zu vermitteln, einen anderen Weg einzuschlagen. Mit der Plakatkampagne „Sprich mit mir“ wollte der Kinderschutzbund im vergangenen Jahr auf Gefahren des Handykonsums von Eltern aufmerksam machen. Auf einem der Motive, die derzeit in den Düsseldorfer Kindertagesstätten hängen, sind zwei Mütter zu sehen, die mit ihren Handys in der Hand mit den Kinderwagen zusammenstoßen … Durch die Kampagne sollen Eltern dafür sensibilisiert werden, aktiv Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, anstatt ständig auf ihr Smartphone zu schauen. Sicher ein wertvoller Ansatz, den Eltern sich zu Herzen nehmen sollten. Gleichzeitig muss an dieser Stelle aber auch wieder abgewogen werden, wo Sensibilisierung aufhört und wo Eltern-Bashing anfängt. Gerade ältere Menschen neigen nämlich dazu, ungefragt ihre Meinung zum Medienkonsum von Eltern zu offenbaren. Wenn die Mutter, den ganzen Tag mit ihrem Anderthalbjährigen liebevoll zu Hause spielt, ihn bekocht und ihm vorliest und dann bei der Spazierrunde bei einem schnellen Blick aufs Handy von einem Herrn Mitte 70 zu hören bekommt „Ja du Armer? Hat die Mama mal wieder nur Augen für ihr Handy?“, kann das schon richtig unangebracht sein.

Altersgerechter Umgang

Was Kinder bei ihren Eltern sehen, das möchten sie auch selbst erleben. Das Smartphone ist von Anfang an praktisch immer dabei, denn die allermeisten Baby- und Familienfotos entstehen mit dem Gerät. Natürlich möchte das Kleinkind die bunten Bilder auf dem Display für sich entdecken und lernt ganz schnell das Hin- und Herwischen. Wichtig ist gerade am Anfang: Kleine Kinder sollten nie mit dem Gerät allein gelassen werden. Die ersten Fernsehsendungen, Spiele und Apps sollten sie mit den Eltern gemeinsam erfahren. Älteren Kindern und Jugendlichen, die sich auch schon ohne die Begleitung eines Erwachsenen im digitalen Raum bewegen, sollten die Gefahren, die das Internet birgt, bewusst sein. Gleichzeitig ist es gerade bei Jugendlichen wichtig, ihnen hier auch einen gewissen Freiraum zu lassen und auf die Kompetenz des eigenen Kindes zu vertrauen. Häufig gehen Jugendliche sogar sehr viel verantwortlicher mit ihren persönlichen Daten und Fotos um als ihre Eltern. Sie mit dieser Verantwortung aber nicht allein zu lassen und weiterhin im Blick zu haben, welche Inhalte das eigene Kind teilt und konsumiert, ist in jedem Alter wichtig.

Die Verantwortung der Großeltern

Auch Großeltern haben in Bezug auf digitale Medien eine große Verantwortung, der sie sich bewusst sein sollten. Wie häufig erleben wir es als Eltern doch, dass das Kleinkind bei der Familienfeier bei Opa auf dem Schoß sitzt und dieser der Familie und damit auch dem Kind vermeintlich witzige Fotos und Videos auf seinem Smartphone präsentiert. Die Großelterngeneration, welche selbst nicht mit diesen Medien groß geworden ist, verliert manchmal aus dem Blick, welch große Verantwortung sie an dieser Stelle trägt und wie unangebracht es sein kann, einem Kleinkind das Video zu zeigen, welches beim Kegeltreff vergangene Woche für einige Lacher sorgte ...Hier können die Eltern mit einem freundlichen Hinweis schon viel erreichen, um bei Oma und Opa einen achtsamen Umgang zu erreichen. Denn diese wollen ja meist nur das Beste für ihre kleinen Enkel – und da gilt gerade bei kleinen Kindern: Weniger ist mehr. Wenn Eltern und Großeltern die Zeit mit ihren Kleinen bewusst genießen wollen, dann dürfen Handy, Tablet und Co. auch gern mal für die eine oder andere Stunde in der Schublade verschwinden.

Tags: Digitale Familie , Newsletter KW26

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