Erziehung

Alles weiß oder was?

Claudia Berlinger · 24.04.2018

© metinkiyak – iStock.com

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Kinderzahnärzte empfehlen, den Vorsorgetermin beim Zahnarzt ab dem Kleinkindalter zur Routine werden zu lassen. Angeborene Zahnkrankheiten sind zum Glück selten – aber wenn so etwas auftritt, ist es gut, so früh wie möglich Bescheid zu wissen.

Die vorderen Schneidezähne meiner Tochter brachen etwa mit einem halben Jahr durch. Nach ein paar Monaten bröselten sie bereits vor sich hin, brachen ab und zeigten Karies. Es bedurfte viel Recherche, um eine Kinderzahnärztin zu finden, die mehr tat als nach der Untersuchung zu konstatieren: „Wir beobachten das. Kommen Sie in drei Monaten wieder.“ Glücklicherweise trafen wir auf eine sehr freundliche und engagierte Zahnärztin in einer speziellen Kinderzahnarztpraxis, in der seither regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen stattfinden. Denn Norea hat einen Zahnschmelzdefekt, mit dem sie vermutlich geboren wurde. Im Alter von zweieinhalb Jahren mussten ihr drei Frontzähne in Vollnarkose gezogen werden. Seither klafft in ihrem Lächeln eine Riesenlücke, die ihr den Namen „Frau Einzahn“ einbrachte. Erstaunlicherweise geht sie aber gern zum Zahnarzt und zieht im Alter von bald sechs Jahren in Erwägung, später einmal selbst Zahnärztin zu werden.

Angeborener Defekt

Eine rätselhafte Fehlmineralisation, die Zähne schon früh regelrecht zerfallen lässt, beobachten Zahnärzte in jüngster Zeit immer öfter. Schätzungsweise zehn Prozent der Kinder sind von den „cheese molars“, wie die Briten die Krankheit nennen, betroffen. Die Zähne zeigen eine gelblich-braune Verfärbung, verfügen kaum über Schutz gegen Säuren, reagieren schmerzhaft auf heiße wie kalte Speisen und werden anfällig für Karies. Es können auch Milchzähne betroffen sein, meist aber sind es die bleibenden Backenzähne, die von MIH, der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, die bisher nur bei Kindern auftritt, befallen sind. Noch haben Ärzte weder Ursachen noch ein Heilmittel gegen die mysteriöse Krankheit gefunden. Womöglich, so wird vermutet, sind mit Antibiotika behandelte Infektionskrankheiten in den ersten Lebensjahren sowie in Plastik verpackte Lebensmittel, aus denen Schadstoffe in die Nahrung übergehen, verantwortlich. Unsere Tochter hat Glück im Unglück: Seit ihre Backenzähne da sind, wissen wir, dass sie nicht an MIH leidet. Nichtsdestotrotz wird Zahnpflege bei uns großgeschrieben. Zwei Mal täglich trägt sie eine Mineralienpaste auf alle Zähne auf, benutzt Zahnseide und ist sich bei jedem Stück Schokolade bewusst, dass ihre Zähne momentan keinen Schutz gegen Zucker besitzen.

Saubere Sache

Die Kölner Kinderzahnärztin Verena Loosen empfiehlt, dass die frühe Zahnhygiene mit einer weichen Zahnbürste bereits vor dem Durchbruch der Zähne beginnen sollte, damit die Zähne in ein sauberes Milieu durchbrechen. Der erste Besuch beim Zahnarzt sollte schon im ersten Lebensjahr erfolgen, damit sich keine Ängste aufbauen und eventuelle Schädigungen früh erkannt werden können. Sobald die Kinder mit etwa drei Jahren beginnen, sich begleitet von den Eltern selbst die Zähne putzen, hält sie ein Putztraining für sinnvoll, das etwas intensiver und lehrreicher ist als der jährliche Besuch der Zahnärztin im Kindergarten. Beim Putztraining werden die Zähne des Kindes bunt eingefärbt und das Kind putzt sich die Zähne, wie es das zu Hause tut. Anschließend schaut der Zahnarzt zusammen mit dem  Kind in einen Spiegel, welche Zähne noch verfärbt sind. Das Kind erhält Tipps, wie die Zähne noch gründlicher geputzt werden können und wie es Stellen erreicht, mit denen es offenbar Schwierigkeiten hat. Für diese Altersgruppe könnte die Zahnbürste der Wahl bereits eine elektrische sein. „Allerdings ist ein Putzen im Wechsel mit der klassischen Variante sinnvoll, um die Koordination zwischen Händen und Augen zu trainieren“, führt Loosen aus.

Solche und andere Tipps, zum Beispiel zu zuckerfreien Süßigkeiten, gibt es beim regelmäßigen Vorsorgetermin in der Kinderzahnarztpraxis. Das Kind gewinnt Vertrauen in den Zahnarzt und geht ohne Angst dorthin, falls doch einmal etwas sein sollte. Und die Eltern bekommen die Bestätigung, dass das kindliche Gebiss in Ordnung ist und sich gut entwickelt. Und alle erfahren: Tägliches Putzen lohnt sich!

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