Erziehung

Abenteuer Kleinkind-Betreuung

Nadine Lente · 26.10.2017

© Landeshauptstadt Düsseldorf

© Landeshauptstadt Düsseldorf

U3, Ü3-Betreuung, Tagespflege, Kita: Wie ist die aktuelle Lage in Düsseldorf und wo geht die Reise hin? Libelle-Redakteurin Nadine Lente sprach mit Stadtdirektor Burkhard Hintzsche (52, verheiratet, ein erwachsenes Kind).

Spannend, manchmal nervenaufreibend und teilweise wie eine Job-Bewerbung: Die Suche nach Betreuungsplätzen fürs Kleinkind, wenn Mama und Papa arbeiten müssen oder/und wollen, gestaltet sich für so manche Eltern schwierig. Und das, obwohl die Stadt weiterhin mit großem Aufwand die Kinderbetreuung in Düsseldorf ausbaut.

Betreuungsquote, Elternbeiträge: Wie steht Düsseldorf eigentlich im direkten Vergleich mit den Nachbarstädten da?
Düsseldorf ist in NRW aktuell die einzige Stadt, in der die Ü3-Betreuung beitragsfrei ist. Im laufenden Kita-Jahr liegen wir in diesem Bereich bei einer Betreuungsquote von 100 Prozent, im U3-Bereich sind es aktuell 43 Prozent, bis Ende des Kita-Jahres werden es 47 Prozent sein. Damit steht Düsseldorf im Vergleich zu Nachbarstädten mit an vorderster Stelle.

Sie sind kein Freund vom Begriff der Betreuungsquote ...?
Sehen Sie, wie bei allen statistischen Werten muss man wissen, wie sie zustande kommen. Eine solche Quote spiegelt einfach nicht den tatsächlichen Bedarf oder den Ausbau von zum Beispiel Kita-Plätzen wider. Wir schaffen jährlich rund 1000 Betreuungsplätze für Kinder bis zum Schuleintritt. Seit 2010 sind 70 Kitas neu entstanden, das sind durchschnittlich zehn pro Jahr, aber Düsseldorf ist eine weiter stark wachsende Stadt. Interessant ist auch: Im Kita-Navigator liegt die tatsächliche Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren bei 54 Prozent. Heißt: Wir liegen hier in Sachen Angebot und Nachfrage gar nicht so weit auseinander.

Wie sind denn die Prognosen in Sachen Bevölkerungswachstum?
Bis 2030 wird Düsseldorf ein Einwohnerwachstum von aktuell rund 630.000 auf 660.000 Einwohner erleben. Dabei findet 45 Prozent dieses Wachstums im Bereich der unter 25-Jährigen statt. Heißt: Immer mehr junge Menschen mit Familie oder in der Phase der Familiengründung ziehen nach Düsseldorf. Wir müssen also weiter fleißig Plätze schaffen. Hätten wir ein solches Wachstum beispielsweise nicht, würden wir auch den Betreuungsbedarf im U3-Bereich jetzt schon abdecken.

Ausbau von Betreuungsplätzen: Was bedeutet das eigentlich für die Stadtverwaltung?
Nun, sie müssen die jährliche Planung fortschreiben, was fließt da alles ein? Unser wichtigstes Planungsinstrument dabei sind inzwischen die Ergebnisse aus dem Kita-Navigator. Wir sehen nicht nur, wie viel Bedarf existiert sondern auch wo, in welchen Stadtteilen dieser ist. Dann müssen wir schauen, wo es Flächen für Neubauten gibt, wo besitzt ein potenzieller Träger vielleicht schon Flächen, oder umgekehrt, wo kann man einem solchen Flächen anbieten?

Der Kita-Navigator ist also eine Erfolgsgeschichte?
Ja, definitiv. Düsseldorf war die Modellkommune, das System ist für und mit uns entwickelt worden. Mittlerweile arbeiten auch andere Städte bundesweit damit, von den Nachbarstädten Köln, Duisburg, Essen ist aber keiner dabei. Mittelfristig wollen wir ein solches System übrigens auch in der Tagespflege anbieten.

Wie ist eigentlich der Trägeranteil an Düsseldorfer Kitas?
Wir haben aktuell 360 Tageseinrichtungen und eine große Trägervielfalt. 102 davon sind städtisch, 132 kirchlich, 62 sind Elterninitiativen, 25 von der Arbeiterwohlfahrt, 15 vom Deutschen Roten Kreuz, sowie 24 von weiteren Trägern. Mit rund zehn Millionen Euro jährlich fördert das Jugendamt übrigens die diversen Träger, wenn Plätze bedroht sind sowie jeden neu entstandenen Kita-Platz.

Stichwort Tagespflege: Es gab und gibt ja rege Diskussionen um die Änderungen in der Förderung durchs Jugendamt. Wie ist der Stand der Dinge?
Der Sachstand ist, dass wir erstmal nichts geändert haben. Es geht um eine zusätzliche Finanzierungsstufe zwischen der Betreuung von 30 zu 40 Stunden, um auf den genauen Bedarf einzugehen. Hintergrund waren vermehrte Beschwerden von Eltern ans Jugendamt. Momentan fragen wir Betreuungszeiten von den Tagespflegenden ab und führen diese Dokumentationen zusammen.

Wie wird eigentlich mit dem Thema Inklusion im Betreuungsbereich von Kindern bis zum Schuleintritt umgegangen?
Da es hier keinen Gesetzesrahmen wie im Schulbereich gibt, hat sich das Thema hier viel natürlicher entwickelt, man wird den konkreten Elternwünschen gerecht. Inzwischen gibt es in mehr als jeder dritten Düsseldorfer Einrichtung ein Angebot für Kinder mit Behinderungen. Das wollen wir weiter ausbauen.

Tags: Interview , Jugendamt

Kategorien: Erziehung , Stadtgeschehen